Es ist ganz einfach: Mit der industriellen Revolution konnten wir mehr Produkte zu günstigeren Preisen herstellen. Seit diesen Tagen bedeutet Wachstum, dass wir noch mehr Produkte, noch günstiger herstellen. Damit erschaffen wir immer mehr Produkte, die natürlich auch Käufer brauchen.

Die Käufer sind wir.

Und unsere Pflicht (im Sinne es Wirtschaftswachstums) ist es nun, diese produzierten Güter auch zu kaufen. Dabei helfen uns die Produzenten.

  • Sie bauen ihre Produkte so, dass sie nach einer definierten Zeit kaputt gehen (geplante Obsoleszenz).
  • Sie designen Produkte so, dass wir uns nach ein paar Jahren der Nutzung dringend das neuste Design kaufen wollen, z. B. Autos.
  • Sie legen Zeiträume fest, in denen das Produkt genutzt werden sollte. Diese Zeiträume nennen sie dann Mindesthaltbarkeit oder argumentieren über die Sicherheit (z. B. bei Helmen, die auch nur eine bestimmte Zeit sicher sein sollen).
  • Sie verstärken das mit Werbung, damit wir am Ende auch noch glauben, es wäre in unserem Sinne.

Da wir brave Bürger sind, kaufen wir fleissig, kaufen wir immer mehr (es wird ja durch die Produktivitätsfortschritte auch jedes Jahr mehr produziert).

Vom reinen Kaufvorgang ist der Konsum eines Produktes, also dessen wirkliche Nutzung zu trennen.

Hartmund Rosa (Über die Verwechslung von Kauf und Konsum) sagt es so:
„Kurz: Weil durch das Kaufen sich immer Optionsräume erweitern lassen und weil der Kaufakt fast keine Zeitressourcen bindet, kaufen wir immer mehr Dinge, während wir die Realkonsumtion kaum zu steigern vermögen.“ (S. 127)

„In der Konsequenz werden nicht mehr  die materiellen Objekte selbst, sondern die dadurch eröffneten Optionen als Besitz erfahren, und der Erweiterung der vorhandenen und der Erschließung neuer Möglichkeitsräume gilt die Konsumsehnsucht. Die neue Fotokamera, der neue DSL-Anschluss, das Fernsehgerät, der Computer: Wir interessieren uns nicht oder nur am Rande für ihren Geruch, ihre Farbe, ihre Form, ihre Materialität – sondern für das, was sie können, oder besser: was uns durch sie ermöglicht wird.“ (S. 119)

„Ein Drama zu lesen, eine Oper zu hören oder einen Flügel beziehungsweise Tennis spielen zu lernen, ist so aufwendig wie vor zweihundert Jahren. Diese Tätigkeiten lohnen sich jetzt aber weit weniger, weil in der für sie aufgewendeten Zeit viel mehr Geld verdient und daher auch viel mehr anderes konsumiert werden könnte. Alle auffindbaren statistischen Evidenzen scheinen die praktische Relevanz dieser Verschiebung zu belegen: Die Zahl der gekauften Bücher, Zeitschriften, Tonträger, Filme, Kleider, Lebensmittel, Flügel und Teleskope übersteigtdie Zahl der gelesenen, gehörten, angesehenen, getragenen, verzehrten, gespielten und benutzten immer deutlicher.“ (S. 127-128)

Wir sind Arbeits-Kauf-Maschinen (AKMs). Es spielt dabei auch keine Rolle, ob wir glauben, dass wir dies selbst so wollen oder ob wir eine Ahnung haben, dass wir es tun sollen, um die Wirtschaft (was ist das überhaupt, die Wirtschaft) am Laufen zu halten.

Tragisch dabei ist nur, dass wir in unserer Gesellschaft eher durch Konsumverzicht, als durch Konsumsteigerung gekennzeichnet ist (siehe Hartmut Rosa, S. 128).

Du glaubst es nicht so richtig. Auf Seite 121 schreibt Rosa:
„Von der Kinderkrippe bis zum Altenpflegeheim, von der ehemals öffentlichen Toilette bis zum Badesee, von der Straßenbenutzung bis zur Trinkwasserversorgung werden Güter und Dienstleistungen zu konsumierbaren Waren gemacht, und die Konsum- und Warenlogik hat aus Schülern und Studierenden, aus Kranken und Alten, aus Bürgern und Verbrauchern im Zuge der neoliberalen Ökonomisierung und Privatisierung von Bildung und Pflege, Wasser- und Stromversorgung, Kultur und Verkehr und so weiter Kunden und Klienten gemacht.“

Es werden keine Menschen geboren, sondern Kunden und Klienten. Es gibt keine Bürger mehr, sondern nur noch Käufer. Die Tempel der Kunden und Käufer sind die Shoppingcenter, die Einkaufs-Innenstädte. Es sind Opferstätten des Konsums. (Rosa, S. 130)

Ein Merkmal der Kunden, Käufer ist deren chronische Bedürfnisinkontinenz (siehe Harald Welzer, Selbst denken, S. 82ff).
„Der Käufer, der sein Biolasi lange im energieeffizienten A++-Kühlschrank vergisst, bis das Haltbarkeitsdatum überschritten ist und er es daher entsorgen zu müssen glaubt, fungiert ja lediglich noch als Depot, um das Produkt für die Zeitspanne zwischen Produktion und Entsorgung zu lagern. Man könnte auch sagen: Nicht er konsumiert das Produkt, sondern das Produkt konsumiert ihn: nämlich seine Zeit, die von im bezahlte Energie, die von ihm unterhaltene Infrastruktur.“

Darum sei ein guter Käufer und kaufe Dinge, die du nicht brauchst, vom Geld, dass du nicht hast, um Menschen zu beeindrucken, die du nicht magst. Fühle dich wenigstens beim Kauf gut und wenn dich danach ein schlechtes Gefühl, eine große Leere überkommt, dann gehe einfach wieder einkaufen. Kaufen befreit, kaufen macht glücklich, kaufen ist dein Lebensinhalt! Wenn fleissig einkaufst, dann unterstützt du die Wirtschaft!

Wichtig ist noch eines, kenne vor allem den Preis von der gekauften Ware, vergesse den Wert, welcher die Ware für dich hat.