Jedes System versucht sich selbst zu erhalten. Wir leben in einem Konsumsystem, so dass wir Strukturen und Prozesse erschaffen haben, die Konsumenten erzeugt – welche das Konsumsystem am Leben erhalten. Das ist an sich weder gut noch schlecht, sondern eine Eigenschaft von dem aktuellen System.

Doch wie erzeugt man Konsumenten?

Quintessenz

  • Wir leben in einem Konsumsystem, und braucht gute Konsumenten, um sich selbst zu erhalten
  • Deshalb gibt es Strukturen und Prozesse, um gute Konsumenten zu produzieren
  • Es geht nicht um den Menschen an sich, sondern um dessen Konsumentenfähigkeit, deshalb werden Kinder von Genies zu Konsumenten umerzogen
  • Individuelle Entwicklungen, Kreativität und Gestaltungsräume sind nicht relevant
  • Bereits mit der Geburt beginnt das System mit der Prägung. Kindergarten, Schule, Studium kümmern sich in den wichtigen Jahren um eine konsumgerechte Erziehung
  • Bildung wird als Wissensspeicherung verstanden, selbstständiges Denken wird sanktioniert
  • Wir haben dieses System über Generationen internalisiert und kennen es gar nicht mehr anders – schlimmer noch, wir halten es für „normal“
  • Wir leben in einem für Menschen kranken System, deshalb werden immer mehr Kinder bereits in frühen Jahren als „krank“ diagnostiziert
  • Doch nicht die Kinder sind krank, sondern die Strukturen und Prozesse, in denen diese gepresst werden

In der Kurzform geht das so: Trenne die Menschen, zerstöre bestehende Systeme. Vereinzelt, vereinsamt sind die Möglichkeiten der Manipulation größer und leichter. Als zweites wird die Selbstliebe der Menschen zerstört und in der Entwicklung behindert. Sich selbst zu lieben wird abgewertet („Eigenlob stinkt“).

Jetzt sind wir an einem Punkt, wo das Gegeneinander ins Spiel kommt. Um die Vereinzelung zu zementieren, wird der Wettbewerb eingeführt. Jedes Kind soll lernen, dass es alleine gegen die Anderen sich behaupten muss. In Gemeinschaft zu sein muss mit Gefahr verbunden sein.

Jetzt sind die angehenden Konsumenten so weit, dass ihre Kreativität und ihre Gestaltungswille gebrochen werden kann. Durch stupides Auswendig lernen in Kombination mit einem klar vorgegebenen Lösungsweg und der subtilen Botschaft „Du bist nicht richtig wie du bist, andere wissen, was richtig ist!“. Oder wie reagieren die meisten Lehrer, wenn ein Schüler eine neue Idee in den Unterricht einbringt oder einen anderen Lösungsweg? Neues stört!

Als Kleinkinder sind fast alle Genies, nach der Schule fast niemand mehr!

Im Jahr 1968 haben Dr. George Land und Dr. Beth Jarman für die NASA einen Kreatitivätstest erstellt. Der kam bei der NASA sehr gut an und so entschieden sie sich, den Test bei Kindern durchzuführen. Sie wiederholten die Tests mit den Kindern nach 10 und 15 Jahren. Das Ergebnis:

  • Testergebnis 5-jährige: 98 % sind Genies
  • Testergebnisse 10-jährige: 30 % sind Genies
  • Testergebnisse 15-jährige: 12 % sind Genies
  • Testergebnisse bei über 1.000.000 Erwachsenen: 2 % sind Genies

Wer mehr wissen möchte, hier ein TEDx-Talk (leider verhaftet er in seinen Schlussfolgerungen im System und glaubt, dass wir gegen die anderen gewinnen müssen, wir müssen kreativer sein – er kann sich andere Lösungen nicht vorstellen). Über den Test spricht er ab Minute 6, bis ca. Minute 8:

Der wissenschaftliche Blick

Auch wenn der Titel von Prof. Dr. Dr. Gerald Hüther anders lautet, so erklärt er uns doch, wie jeder von uns ein guter Konsument wurde. Das gute ist, dass unser Bildungssystem dafür optimal ausgerichtet ist.

Und das war nicht einfach. Da wir alle mit einem großen Lern- und Wissensdrang zur Welt kommen und eigentlich nichts von Konsum wissen wollen, ja, zum Spiel brauchen wir eigentlich nur ein paar Steine, einen Ast, etwas Wasser und gute Freunde. Doch die viele Pädagogen haben Jahrzehnte lang geforscht und ein System erzeugt, welches es doch geschafft hat unseren Lern- und Wissensdrang zur schwächen und damit die besten Voraussetzungen schafft, dass es gute Konsumenten hervorbringt.

OK, es gibt Menschen wie Gerald Hüther, die träumen noch von mündigen, kreativen, eigenständigen, unabhängigen Menschen, die Konsum nicht als Ersatzbefriedigung für fehlende Lust und Begeisterung sehen. Aber mal ganz ehrlich, wir sind doch zufrieden wenn wir Abends den Fernseher einschalten, um abzuschalten, damit wir es am nächsten Tag wieder den Tag in die Arbeit schaffen, damit wir unsere Schulden bezahlen können. Und während wir dann in die Glotze schauen, sehen wir schon, wofür wir den nächsten Kredit aufnehmen können. So entgehen wir auch der Sinn-Frage und wissen wenigstens, warum wir leben! Ich kaufe, also bin ich.

Also, lassen wir uns in diesem Beitrag von Gerald Hüther mal aufzeigen, wie wir ein guter Konsument wurden! Über seine Ideen können wir doch nur müde lächeln! 😉

Seine Abschlussempfehlung: Eltern und Schüler schaffen die Lehrpläne ab!

Ach, bevor ich es vergesse, wer doch Interesse an seinen Ideen hat – auf Youtube gibt es tolle Interviews von ihm. Sehr empfehlenswert!

Unser System will es genau so!

Wer es im Kurzdurchlauf lesen möchte, hier aus dem Spark Nr. 123, sehr treffend:

»Die moderne Wirtschaft ersetzt das kreativ kooperierende Rückgrat authentischer Gemeinschaft mit Geld. Geld hungert die Menschen aus den Dorfkulturen heraus und saugt sie in gigantische Produktions- und Konsumzentren, genannt Städte. Die meisten indigenen Dörfer bestehen aus einem Gelände, das Mehrgenerationen- Stämme beherbergt. Stadtbewohner leben zertrennt in Kernfamilien-Vorstadthäusern (im Besitz von Banken) oder Apartmentwohnungen (im Besitz von abwesenden Eignern). Großkonzerne sind glücklicher, wenn jedes Paar in einer abgetrennten Wohnung lebt, denn dann gibt es mehr Verbraucher für Videosysteme, Kühlschränke, Küchenausstattungen und Autos. Indem beide Eltern gezwungen sind zu arbeiten, werden Kernfamilien in noch mehr Verbrauchereinheiten zerteilt. Alleinerziehende Mütter verdienen Überlebensgeld, während sie ihre Kinder zur Kinderbetreuung geben. Volkswirtschaftler wissen, dass die Mutterschaft das Bruttosozialprodukt nicht erhöht, wohl aber Krippen, Kindergärten und Tageshorte.

Beobachte, wie die moderne Ausbildung die Schüler nach Alter trennt. In der nächsten Kultur kommt eine Kindergemeinschaft zur vollen Entfaltung, wenn ältere Kinder ihr eigenes Verständnis vertiefen, während sie jüngeren Freunden ganz natürlich mitteilen, was sie entdeckt haben. Moderne Schulen untergraben das Vorstellungsvermögen und erzwingen Untertänigkeit gegenüber der allwissenden Autorität, dem Äquivalent des obligatorischen Fernsehens. Angeschlagen durch Trennung sehen wir keine Alternative als gegeneinander anzutreten, um gute Noten zu bekommen, dann Jobs, dann Gehälter und Positionen in der Hierarchie, um mehr Geld verdienen zu können, um bessere Konsumenten zu sein.«

Clinton Callahan

 

Abschlussfragen

Bist du ein guter Konsument geworden? Erkennst Du Dich in den Worten von Gerald Hüther? Bist du zufrieden damit, ein dressierter Konsument zu sein?