Geschichten vermitteln die Unendlichkeit. Über ein Steingesicht von Piero Ferruci.

»Ein Dorf liegt am Fuße eines Berges, dessen Form dem Gesicht eines edlen, geläuterten Mannes sehr ähnelt. Die Bewohner des Dorfes nennen den Berg deshalb »das große Steingesicht«, und sie sind überzeugt, dass von ihm größere Weisheit ausgeht als in Büchern zu lesen ist.

Einer der Dorfbewohner hat das Steingesicht ständig vor den Augen und es geht ihm nie aus dem Sinn. Da sein Haus nah dem Berge liegt, verbringt er Stunden damit, darüber nachzudenken und sich vorzustellen, dass das große Steingesicht seinen Blick erwidert und ihn freundlich ansieht.

Schließlich beginnen die Leute im Dorf zu bemerken, dass der Mann eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Steingesicht angenommen hat. Seine Gesichtszüge spiegeln die gleiche edle und vornehme Art wider.«

Niklaus Brantschen schreibt diese Zeilen in seinem Buch „Vom Vorteil, gut zu sein. Mehr Tugend – weniger Moral“. Er ergänzt es durch die Worte:

„Was wir von Herzen lieben und ersehen, können wir erkennen. Und in das, was wir erkannt haben, können wir verwandelt werden.“