Hier geht es um Glaubenssätze, die so tief liegen, dass wir sie kaum noch erkennen. Heute: Wenn jeder egoistisch handelt, dann geht es allen gut. Zugegeben, dies ist etwas umgangssprachlich formuliert, ok, hier die wissenschaftlich belegte Quelle (Adam Smith, An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, Edwin Cannan, Hrs. (Chicago: University of Chicago Press, 1967), S. 477-478).

»Wenn daher jeder Einzelne so viel wie nur möglich danach trachtet, sein Kapizur Unterstützung der einheimischen Erwerbstätigkeit einzusetzen und dadurch diese so lenkt, dass ihr Ertrag den höchsten Wertzuwachs erwarten lässt, … tatsächlich fördert er in der Regel nicht bewusst das Allgemeinwohl, noch weiß er wie hoch der eigene Beitrag ist. … Er denkt eigentlich nur an die eigene Sicherheit, … und strebt lediglich nach eigenem Gewinn. Er wird in diesem … von einer unsichtbaren Hand geleitet, um einen Zweck zu fördern, den zu erfüllen er in keiner Weise beabsichtigt hat. Indem er sein eigeneWohl verfolgt, fördert er oft das der Gesellschaft nachdrücklicher, als versuchte er tatsächlich, es zu fördern.«

Adam Smith

Und darauf baut unsere klassische Ökonomie auf. Das lernen die Studenten im ersten Semester. Daraus wurde der »homo oeconomicus« abgeleitet, und damit war der rationale Mensch geboren. Tomáš Sedláček (Ökonom) hat dies so ausgedrückt:

»Wenn einem Organismus die Seele herausgerissen wird, ist das, was übrig bleibt, ein Zombie.«

Tomáš Sedláček

Wenn eine Theorie den Menschen als rationales Wesen definiert, dann definiert sie einen Menschen ohne Seele zu ihrer Grundlage, einen Zombie. Erstes Semester!

Wahrscheinlich denken so die Investmentbanker, die die Lebensmittelpreise beeinflussen – und damit Hungerkatastrophen und tote Menschen verursachen. Oder die Lebensmittelindustrie, die uns chemische Mischungen bereit stellt, diese bunt verpackt, viel Werbung darum macht und verkauft – und damit Menschen krank macht, in die Abhängigkeit treibt und sehr viel Müll produziert.

Auch die Börsenspekulanten, die bewusst eine Umverteilung von öffentlichem Vermögen in private Vermögen hervorrufen – und damit ganze Volkswirtschaften in den Bankrott treiben. Oder der Arzt, der zur Erhöhung seines Einkommens Behandlungen verschreibt, die zwar keinen Nutzen stiften, aber gut bezahlt werden – und damit die Gesundheitskosten in die Höhe treibt, ohne dem Kranken wirklich zu helfen.

Jeder denkt an sich, das reicht dann, um der Allgemeinheit etwas gutes zu tun. Wie blind sind wir, damit wir dies wirklich glauben? Von Chris Jordan wunderbar bildlich dargestellt.

Lebst du in einer Familie? Ja, dann stelle dir vor wie es dort wäre, wenn jeder nur an sich denkt? Wäre es noch eine Familie?

Durch welchen Glaubenssatz würdest du diesen Glaubenssatz gerne ersetzen?