Hier geht es um Glaubenssätze, die so tief liegen, dass wir sie kaum noch erkennen.

Heute: Die Welt kann nur so sein, wie ich sie kenne.

Wieder starten wir mit Harald Welzer, Selbst denken:
“Die Welt, in der man aufwächst, ist die Welt, wie sie ist. Ihre Textur bildet die kulturelle und soziale Grundierung unserer jeweiligen Existenz, und ihre Regeln sind gerade deshalb so wirksam und wirklichkeitsbestimmend, weil sie praktisch nie Gegenstand bewusster Reflexion werden. Was einem nicht bewusst ist, kann man auch nicht kritisieren oder in Zweifel ziehen.”

In der Schule gab es auch das Fach Geschichte. Und wir lernten schnell, dass die früheren Gesellschaften nicht so toll waren – also so toll wie wir heute sind. Und wir lernten, dass die Demokratie das beste auf der Welt ist. Auch plapperten wir trefflich nach, dass die soziale Marktwirtschaft das beste Wirtschaftssystem auf der Welt ist. Ach, wir haben einfach von allem das Beste!

Uns wurde beigebracht wie böse die Anderen sind. Früher waren es die Kommunisten, heute nennen wir sie Terroristen.

Wir leben in den Gedanken, wenn jedes Land so wäre, so wie unser Land, dann wäre die Welt eine bessere. Deshalb glauben wir auch, dass wir anderen Ländern unbedingt helfen müssen, damit sie auch zur Demokratie finden. Und wehe dem Land, welches einen eigenen Weg geht, der nicht unseren Erwartungen entspricht …

Im Grunde glaube jede Kultur, jeder Mensch an die eigene absolute Überlegenheit vor den Anderen.

Erwartest du von Anderen, dass sie die Welt so wie du sehen, bewerten, interpretieren?

Glaubst du, dass die Welt besser wäre, wenn alle so wären wie du?

Gestehst du den Anderen zu anders zu sein? Wirklich?