„Schule ist für Kinder da, und zwar für die, die wir haben und nicht für die, die wir uns wünschen.“

Walter Heilmann, Rektor der Rosenmaarschule in Köln aus einem SWR2 Podcast.

„Wenn an jedem Sonntag in flammenden Reden von Politikern beschworen wird, dass Menschen mit Behinderung in die Mitte der Gesellschaft gehören, dann frage ich mich: Wie soll das funktionieren, wenn sie während der Zeit in der sich ihre Persönlichkeit ausbildet, nämlich in der Kindheit und Jugend, konsequent aus der Gesellschaft ferngehalten werden, in einem Schonraum aufwachsen und Kinder mit Behinderung die anderen Kinder nicht kennen, Kinder ohne Behinderung keine Kinder mit Behinderung kennen. Wie soll das funktionieren im Erwachsenenalter? Es geht nicht.“

Anna Lingscheid, Mutter eines behinderten Kindes, SWR2 Podcast

Übertragen auf die betriebliche Praxis können wir fragen: Welche Menschen bringt ein Erziehungssystem hervor, in dem leistungsähnliche Kinder auf eine gemeinsame Schule geschickt werden? Welche Einstellung erwerben diese Kinder dadurch, dass es keinen regelmäßigen Umgang mit anderen Kindern gibt? Mit Kindern, die andere Stärken und Schwächen haben – Kindern, die sich mit den Anforderungen des aktuellen Schulsystems (Still sitzen, auswendig lernen, wiedergeben, vergessen, kaum Begeisterung, Lust und Neugier, kaum Vernetzung der Inhalte …) schwer tun?

Wenn der Umgang mit Andersartigkeit in jungen Jahren nicht gelernt, geübt und erfahren wird, was bedeutet dies für die betriebliche Praxis, für die Arbeit in Teams, die die Akzeptanz von Menschen, die andere Stärken und Schwächen haben, für ein gelungenes Miteinander? Für gegenseitigen Respekt und Anerkennung?

Michel de Montaigne schrieb in ‚Versuch über die Erziehung‘ vor 500 Jahren:
„Jedes Kind ist selbst der Maßstab seiner Erziehung.“

Werden wir durch unser Schulsystem jedem Kind gerecht? Ist die Schule für die Kinder da – oder sind die Kinder für die Schule da?

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