In der Presse, im Fernsehen geht es zur Zeit um Sotschi, genauer gesagt: Olympia 2014. Noch genauer, die Medien berichten über Medaillen und Skandale. Ein schönes Beispiel ist die Eröffnungsshow, über mehrere Stunden zelebrierten die Gastgeber eine farbenprächtige, abwechslungsreiche Show. Manche Zeitschriften begannen mit dem Aufmacher, dass die Anzeige der fünf Ringe eine Fehler hatte – ein Ring verwandelte sich nicht. Dazu wurde natürlich das passende Bild geliefert (Beispiel der FAZ, siehe hier). Aus den vielen Eindrücken der Show wurde ein Fehler als Aufmacher genommen.

Aus den vielen Eindrücken, Bildern der Show zeigen viele Medien das Bild, dass einen Fehler darstellt. Ähnlich wie in der Schule, wo 99 richtige Antworten nicht erwähnt werden, doch der einzige Fehler wird ausführlich diskutiert. Den Fehler zu zeigen stellt eine Möglichkeit der Wahrnehmung dar.

Eine andere Wahrnehmung beschreiben die Aussagen von dem einzigen Teilnehmer der Olympiade aus Nepal. Dachhiri Sherpa wundert sich über die anderen Sportler, doch lies selbst (aus der FAZ, siehe hier).

»Sherpa wundert sich manchmal über Langlauf-Kollegen, die tagelang nur ihr Rennen im Kopf haben, an nichts anderes mehr denken, nichts wahrnehmen, und wenn das Rennen dann vorbei ist, ist für sie auch Olympia vorbei. Sherpa geht es bei den Spielen darum, „unsere Nation, unsere Kultur zu repräsentieren, Menschen kennenzulernen, sich mit ihnen auszutauschen“. Und darum, die Idee Olympias, das Zusammenkommen von Athleten aus aller Welt, weiterzutragen.«

Dachhiri Sherpa

Bei welchem Sportler aus Deutschland hattest du das Gefühl, dass es ihm um Deutschland, unsere Kultur geht, dass er zur Olympiade geht, um Menschen kennen zu lernen, sich mit ihnen auszutauschen, um die Idee von Olympia? Doch machen wir uns nichts vor, wir verlangen Medaillen für unser Geld. Für die Kultur haben wir die Goethe-Institute. Um Menschen kennen zu lernen und sich mit ihnen austauschen, dafür unterhalten wir keine Sportzentren. Messbare Leistung zählt.

Schade, die Aussage von Dachhiri Sherpa klingt so menschlich, klingt nach großer Gemeinschaft, nach einem besseren Miteinander, als sich den Stinkefinger zu zeigen, sich zu bespucken und was wir im Sport sonst alles erleben.

Es gibt so einen schönen Spruch: Wir haben die Politiker, die wir verdienen.

Da kann ich nur ergänzen: Wir haben die Sportler, die wir verdienen.