„Lokal wie global wird der Wert menschlicher Arbeit immer geringer geachtet. Schnäppchenjagd und unwürdige Arbeitsbedingungen sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Bei der Gewinnung von Edelmetallen für die Elektrobranche, in der Textilverarbeitung, bei der Nahrungsmittelverarbeitung, im großen Bereich der Dienstleistungen bis hin zu Baubranche ist Arbeit billig wie Dreck. Ein von Habsucht getriebener Wettbewerb und eine steigende Schar geiziger privater und institutioneller Verbraucher und Einkäufer leisten einen wesentlichen Beitrag dazu. Tarifflucht, Werkverträge, Ausgliederungen und fehlende Kontrollen in den Zulieferketten zeigen: Dem schrankenlosen freien Markt wird Vorrang gegeben. Die menschliche Mühle gilt als nahezu wertlos und die Kosten für Arbeit werden so gering wie irgend mögliche gehlaten. Ob der Lohn zum Leben reicht, spielt meist keine Rolle mehr. So ist für immer mehr Menschen eine gesellschaftliche Teilhabe nicht mehr möglich.“
Jens Junginger, Pfarrer in Tuttlingen, Publik-Forum Nr. 16-2013, S. 17

Direkte menschliche Arbeit wie Krankenschwester, Kindergärtner, Friseur, … wird bei uns kaum geschätzt. Andere direkten menschliche Arbeit haben wir anderen Nationen im Rahmen von sogenannter Entwicklungshilfe gegeben. Ein Gespräch für 15 Minuten mit dem Arzt ist billig, 15 Minuten beim Arzt an einer Maschine ist im Vergleich dazu sehr teuer. Weitere Beispiele kann sich jeder selbst herleiten, einfach in der eigenen Umgebung mal umschauen.

Jens Jungender bringt es mit „Arbeit billig wie Dreck“ auf den Punkt. Doch wenn wir einander wie Dreck behandeln, dann sollten wir uns nicht wundern, wenn sich dies auf unser gesamtes Miteinander, auf unsere gemeinsamen Werte und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt auswirkt.

  • Billig wie Dreck behandeln wir andere, indem wir T-Shirts für 4,99 Euro kaufen.
  • Billig wie Dreck behandeln wir andere, wenn 10 Tulpen für 2,99 Euro kaufen.
  • Billig wie Dreck behandeln wir andere, indem wir beim Einkaufen nur auf den Preis achten.
  • Billig wie Dreck behandeln wir andere, indem wir den Wert von etwas an seinem Preis festmachen.

Billig wie Dreck will keiner sein, warum handeln wir dann danach?