Die persönlichen Kontakte nehmen ab. Das Medium unserer Kommunikation wird digital. Wir kommunizieren über Geräte miteinander. Martin Buber würde es als Ich-Es-Es-Ich (Ich-Mein Handy-Dein Handy-Du) Kommunikation bezeichnen.

Der Unterschied zwischen einer Welt der direkten Kommunikation (Ich-Du) und unserer heutigen Welt beschreibt Matrin Buber treffend. Ich-Du als Beziehung, natürlichen Verbundenheit, berühren, ewiges Leben im Augenblick. Ich-Es als Eigenwesen, geistige Abgehobenheit, erfahren und gebrauchen, sterben.

Was der Unterschied ist, steht für mich wunderbar in diesen Zeilen:

»Ob ich nun sage: »Ich sehe dich« oder »Ich sehe den Baum«, vielleicht nicht gleich wirklich ist in beidem das Sehen, aber gleich in beidem das Ich. …

Wenn in dem einen Satz wahrhaft das Du in der Beziehung und in dem anderen das Es in der Erfahrung gemeint ist, ist es das gleich, aus dessen Selbstbewußtsein beides gesagt wird?

Das Ich des Grundworts Ich-Du ist ein andres als das des Grundworts Ich-Es.

Das Ich des Grundworts Ich-Es erscheint als Eigenwesen und wird sich bewußt als Subjekt (des Erfahrens oder Gebrauchens).

Das Ich des Grundworts Ich-Du erscheint als Person und wird sich bewußt als Subjektivität (ohne abhängiigen Genetiv).

Eigenwesen erscheint, indem es sich gegen andere Eigenwesen absetzt.

Person erscheint, indem sie zu andern Personen in Beziehung tritt.

Das eine ist die geistige Gestalt der naturhaften Abgehobenheit, das andre die der naturhaften Verbundenheit.

Der Zweck des Sichabsetzens ist das Erfahren und Gebrauchen, und deren Zweck das ›Leben‹, das heißt das eine menschliche Lebensfrist dauernde Sterben.

Der Zweck der Beziehung ist ihr eigenes Wesen, das ist: die Berührung des Du. Denn durch die Berührung jedes Du rührt ein Hauch des ewigen Lebens uns an.«

Martin Buber

Kurz nach erläutert er den Begriff der Subjektivität wie folgt:

»Dies ist der Bereich der Subjektivität, darin das Ich seiner Verbundenheit und seiner Abgelöstheit in einem inne wird. Die echte Subjektivität kann nur dynamisch verstanden werden, als das Schwingen des Ich in seiner einsamen Wahrheit. Hier ist auch der Ort, wo das Verlangen nach immer höherer, unbedingterer Beziehung, nach der vollkommenenen Teilnahme am Sein sich bildet und empor bildet. In der Subjektivität reift die gestige Substanz der Person.«

Martin Buber

Er schließt dann mit:

»Die Person wird sich ihrer selbst als eines am Sein Teilnehmenden, als eines Mitseienden, und so als eines Seienden bewußt. Das Eigenwesen wird sich seiner selbst als eines So-und-nicht-anders-seienden bewußt. Die Person sagt: »Ich bin«, das Eigenwesen »So bin ich«. »Erkenne dich selbst« bedeutet der Person: erkenne dich als Sein, dem Eigenwesen: erkenne dein Sosein. Indem das Eigenwesen sich gegen andre absetzt, entfernt es sich vom Sein.«

Martin Buber

Für mich ist ein Aspekt davon das Wortpaar „beobachten“ und „bewerten“. Wer beobachtet, der ist sich seiner Subjektivität bewußt, wer bewertet ist Subjekt.

Viel zu oft bin ich Subjekt, noch zu wenig Subjektivität.