Jugendliche können es kaum erwarten, endlich 18 zu werden. Junge Menschen hören oft von den “alten” Menschen, dass die Zeit umso schneller vergeht, je älter wir werden. Den meisten geht es dann so: Je älter du wirst, desto schneller empfindest du die Geschwindigkeit der Zeit. Das ist normal und kein neues Phänomen. Erfahre mehr, warum dies so ist.

 

Zeitwahrnehmung und dein Alter

Einer davon vergleicht die Relation der Zeit:

  1. Du bist 10 Jahre alt. Wenn du nun einen Tag erlebst, so ist die Relation des 1 Tages zu dem Lebensjahr groß. Er kommt dir lang vor.
  2. Du bist 50 Jahre alt. Wenn du nun einen Tag erlebst, so ist die Relation zu den 50 Lebensjahren klein. Er kommt dir kürzer vor.

 

Zeitwahrnehmung und dein Denken

Ein weiterer bezieht sich auf die Dinge, die wir neu entdecken (unsere Aufmerksamkeit lenken):

  1. Mit einem Jahr ist Welt voller Entdeckungen, unser Gehirn nimmt viele neue Impulse auf, die Zeit scheint länger zu sein. Je mehr wir denken, desto länger kommt uns die Zeit vor.
  2. Mit 50 Jahren ist (je nach Einstellung) die Welt bereits entdeckt, Neues ist eher eine Seltenheit. Das Gehirn nimmt kaum neue Impulse auf. Je weniger wir denken, desto länger kommt uns die Zeit vor.

 

Zeitwahrnehmung und deine Blickrichtung

Ein weiterer betrachtet die Blickrichtug auf die Zeit:

  1. Mit 20 Jahren vergleichst du die Gegenwart mit der Vergangenheit. Die Möglichkeiten in der Zukunft scheinen unendlich. Die Zeit dehnt sich für dich. Du hast den Fokus auf die Vielfalt des Lebens – auf die Zukunft.
  2. Mit 60 Jahren vergleichst du die Gegenwart mit der immer kürzer werdenden Zukunft. Die verpassten Chancen der Gegenwart rücken in den Fokus. Die Zeit zieht sich für dich zusammen. Du hast den Fokus auf das Nicht-Erreichte, auf die nicht genutzten Möglichkeiten – auf die Vergangenheit.

 

Zeitwahrnehmung und die Entscheidung über deine Zeit

Wer entscheidet, wofür du deine Zeit verwendest? Wer hat das Verfügungsrecht (die Dispositionsmacht) über deine Zeit?

  1. Je größer deine Verfügungsmacht über deine Zeit, desto mehr glaubst du, zu haben.
  2. Je kleiner deine Verfügungsmacht über deine Zeit, desto kleiner schätzt du deine Zeit ein. Oder anders gesagt: Je mehr andere über deine Zeit entscheiden, desto weniger Zeit hast du.

Diese vier Erklärungsversuche sind unabhängig von der Kultur.

 

Zeitwahrnehmung und deine Kultur

Diese drei Erklärungsversuche sind unabhängig von der Kultur. Unsere Kultur bietet weitere Faktoren, die deine Zeitwahrnehmung beeinflussen. Hier drei Beispiele (Hartmut Rosa, Wir brauchen Extrazeit, Philomag  2/2013, S. 56ff):

  1. Die technische Beschleunigung. Wir versuchen, die Dinge möglichst schnell zu tun. Alles in der kürzest möglichen Zeit zu tun, keine Zeit zu verschwenden. Wir rasen über die Autobahn, wir verplanen unseren Tag optimal, wir lassen keine Pausen mehr zu.
  2. Die Beschleunigung des sozialen Wandels. Die Zeiträume der Gegenwart werden immer kleiner (Hermann Lübbes Begriff der »Gegenwartsschrumpfung«). Dabei ist die Vergangenheit die Zeit, nicht mehr ist – die Zukunft ist die Zeit, die noch nicht gilt; damit bleibt die Gegenwart als die Zeit, in der die Dinge eine gleichbleibende Geltung haben. Und die Geltung der Dinge, der Bestand der Dinge ist immer kürzer. Die Email von vor 4 Stunden ist schon alt, die SMS von vor 30 Minuten ist schon alt. Wir verkürzen die Gegenwart immer mehr, in dem wir den Dingen weniger Bestand geben.
  3. Die Beschleunigung des eigenen Lebens. Emails zu bearbeiten ist wie eine Sisyphos Arbeit. Kaum habe ich alle bearbeitet, schon komme neue Emails. Und dies gilt für viele Bereiche, die neue Fotokamera ist einen Monat später veraltet. Die Weiterbildung von vor 6 Monaten braucht dringend ein Update – ebenso das Betriebssystem, welches wir dann neue erlernen sollten. Auch die Bücher, die wir gelesen haben sollten, nehmen immer mehr zu. Keine Zeit für Entschleunigung in unserem Leben, sondern immer schneller – schneller – schneller.

 

Wie du deine Zeit verschwenden kannst

Falls du das Gefühl hast, dass dein Leben immer schneller verläuft, zu schnell, hier ein paar provokante Thesen:

  • Je mehr Dinge du hast, desto weniger Zeit wirst du haben.
  • Je mehr Technik du einsetzt, desto weniger Zeit wirst du haben.
  • Je mehr Dinge du gleichzeitig tust, desto weniger Zeit wirst du haben.
  • Je mehr Dinge du hintereinander machst, desto weniger Zeit wirst du haben.
  • Je weniger Übergänge (Pausen) du in deinem Tun kennst, desto weniger Zeit wirst du haben.
  • Je schneller deine Verkehrsmittel sind, desto weniger Zeit wirst du haben.

 

Wie du mehr Zeit gewinnst!

Oder umgekehrt formuliert:

  • Je weniger Dinge du hast, desto mehr Zeit hast du.
  • Je weniger Technik du einsetzt, desto mehr Zeit hast du.
  • Je weniger Dinge du gleichzeitig tust, desto mehr Zeit hast du.
  • Je weniger Dinge du hintereinander machst, desto mehr Zeit hast du.
  • Je mehr du die Übergänge pflegst (Abschied – Ankunft), desto mehr Zeit hast du.
  • Je langsamer deine Verkehrsmittel, desto mehr Zeit hast du.

 

Gestalte die Übergänge

Gerade die Übergänge finden immer weniger Raum. Sei es der Abschied von einem Tag, die letzten Minuten vor dem zu Bett gehen. Sei es die Begrüßung eines Freundes, Bekannten in aller Ruhe und mit voller Aufmerksamkeit oder das Ankommen an einem neuen Ort.

 

Zeit ist gerecht

Das gerechteste auf der Erde ist die Zeit,  jeder Mensch 24 Stunden am Tag hat. Keiner hat mehr, keiner hat weniger. Bestimmend für unser Zeitgefühl ist nicht die wissenschaftliche Bestimmung oder Einteilung der Zeit, sondern deine subjektive Wahrnehmung der Zeitnutzung.

Doch Worte, wie leicht geschrieben. Albert Einstein sagte treffend:

»Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern nur durch Arbeit und eigene Leistung.«

~ Albert Einstein

 

Abschlussfrage

Was machst du aus deinen 24 Stunden? Was ist deine Meinung zu den Thesen?