Haben wollen, besitzen wollen und dann damit etwas sein wollen, in dieser Reihenfolge läuft unsere Außen-Orientierung ab. Erich Fromm spricht vom Marketing-Charakter. Motto: Du bist, was andere in dir sehen. Und was sie in dir sehen, hängt davon ab, was du vorweisen kannst, was du hast.

»Ich habe die Erfahrung gemacht, daß alles, womit wir uns im gewöhnlichen Leben beschäftigen, unergiebig und unwichtig ist. Ich sah, daß alles, was wovor ich mich fürchtete, nicht an sich, sondern nur dann gut oder schlecht ist, wenn man sich bewegen läßt. Da beschloss ich endlich nachzuforschen, ob es etwas wirklich Gutes gibt, woran man auch teilhaben kann und wovon man, wenn man alles ganz erfüllt ist, ja ob es etwas gibt, das mir, wenn ich es gefunden und erlangt habe, eine beständige und ohne aufzuhören höchste Freude verschafft. Ich sage: ‚beschloss ich endlich‘, denn auf den ersten Blick sah es unüberlegt aus, einer so unsicheren Sache wegen alle Sicherheit aufgeben zu wollen.

Natürlich sah ich die Vorteile, die man durch Ansehen und Besitz erlangt, und daß ich darauf verzichten müssen, sie zerstreuen, wen ich um etwas anderes und Neues mich ernsthaft bemühen will. Und liegt das höchste Glück vielleicht in ihnen, dann war es klar, daß ich es verscherzen würde; liegt es aber nicht in ihnen, und ich bemühte mich nur um sie, dann würde ich dieses Glück auch verscherzen. So überlegte ich hin und her, ob es nicht möglich wäre, ein neues Leben zu beginnen oder wenigstens darüber Gewissheit zu erhalten, ohne meine ganze Lebensweise von Grund auf zu ändern, und das habe ich oft vergeblich versucht.

Was uns im Leben gewöhnlich beschäftigt, und bei den Leuten, wie man an ihren Anstrengungen merken kann, als höchstes Gut geschätzt wird, läßt sich auf drei Dinge zurückführen: Besitz, Ansehen und Begierde. Von diesen dreien wird man so in Anspruch genommen, daß man kaum an ein anderes Gut denken kann. So sind wir durch die Begierde so gefesselt, als hätten wir in ihr das Ziel gefunden, und das hindert einen gewaltig, an etwas anderes zu denken. Aber nach ihrer Befriedigung folgt große Unlust, und wenn sie uns nicht fesselt, so verwirrt sie doch und stumpft ab.

Ehrgeiz und Besitzgier nehmen uns nicht weniger in Anspruch, vor allem da, wo sie uns nur um ihrer selbst willen umtreiben, weil sie dann für das höchste Gut gehalten werden. Ansehen nimmt uns aber noch viel mehr in Anspruch, denn man hält es immer für etwas Gutes an sich und für so etwas wie den letzten Zweck, nach dem sich alles richten muß. Und dann gibt es da auch keine Reue wie bei der Begierde, sondern je mehr man von beiden schon hat, desto stärker wächst die Lust daran, und so werden wir heftiger angetrieben, beide zu vermehren. Täuscht uns aber unsere Hoffnung einmal, so fühlen wir uns zutiefst niedergeschlagen.

Schließlich ist das Ansehen deshalb ein großes Hindernis, weil man, um es zu erlangen, sein Leben notwendig nach der Meinung der Leute richten muß also meiden, was sie gewöhnlich meiden, erstreben, was die Leute so erstreben.«

Benedict de Spinoza, Untersuchung, wie man seinen Verstand verbessert und am besten zu wirklicher Erkenntnis kommt

Das sind drei prägnante Dinge:

  • Begierde
  • Besitz
  • Ansehen

Also kümmerst du dich darum Dinge zu besitzen, die deinen Wert für andere erhöhen.

Dafür gehst du arbeiten.

Spinoza schreibt dazu:

»Und obwohl diese Zeiten anfänglich selten warnend von geringer Dauer, so wurden sie doch, als mir das wirklich Gute immer bekannter wurde, häufiger und länger, besonders, als ich sah, daß Gelderwerb, Sinnlichkeit und Ruhm solange schaden, wie sie um ihrer selbst willen und nicht als Mittel zu anderem erstrebt werden. wenn sie als Mittel erstrebt werden, dann bleiben sie maßvoll und schaden durchaus nicht, sondern tragen im Gegenteil viel bei zu dem Zweck, um dessentwillen sie erstrebt werden, wie bei Gelegenheit zeigen wollen.«

Benedict de Spinoza

Es geht nicht darum nicht mehr arbeiten zu gehen, sondern sich bewusst zu werden, warum du arbeiten gehst. Es geht darum, ob du lebst um zu arbeiten – oder ob du arbeitest um zu leben!

Deshalb meine Frage an dich, lebst du um zu arbeiten – oder arbeitest du um zu leben?

Neudeutsch lautet die Frage: Hast Du eine WORK-Life-Balance oder eine LIFE-Work-Balance?