Jeder von uns trägt seine Fragen in sich. Manche teilen sie mit Familie, Freunden, Bekannten oder Unbekannten – und manche behalten ihre Fragen für sich. Jeder kennt seine Fragen.

Und wir treiben sehr viel, um unsere Fragen zu beantworten. Wir vergleichen uns, suchen Berater auf, kaufen uns Bücher, befolgen Anweisungen von anderen, kaufen uns Werkzeuge. Um die Antwort zu finden, lenken uns auf Nebenschauplätzen ab … Wir suchen die Antwort meist außerhalb von uns.

Doch die Antworten auf deine Fragen liegen in dir.

Rainer Maria Rilke formulierte an Franz Xaver Kappus, Paris am 17.02.1903 (http://www.rilke.de/briefe/170203.htm):

»Sie fragen, ob Ihre Verse gut sind. Sie fragen mich. Sie haben vorher andere gefragt. Sie senden sie an Zeitschriften. Sie vergleichen sie mit anderen Gedichten, und Sie beunruhigen sich, wenn gewisse Redaktionen Ihre Versuche ablehnen. Nun (da Sie mir gestattet haben, Ihnen zu raten) bitte ich Sie, das alles aufzugeben. Sie sehen nach außen, und das vor allem dürften Sie jetzt nicht tun. Niemand kann Ihnen raten und helfen, niemand. Es gibt nur ein einziges Mittel. Gehen Sie in sich. Erforschen Sie den Grund, der Sie schreiben heißt; prüfen Sie, ob er in der tiefsten Stelle Ihres Herzens seine Wurzeln ausstreckt, gestehen Sie sich ein, ob Sie sterben müßten, wenn es Ihnen versagt würde zu schreiben. Dieses vor allem: fragen Sie sich in der stillsten Stunde Ihrer Nacht: muß ich schreiben? Graben Sie in sich nach einer tiefen Antwort. Und wenn diese zustimmend lauten sollte, wenn Sie mit einem starken und einfachen ich muß dieser ernsten Frage begegnen dürfen, dann bauen Sie Ihr Leben nach dieser Notwendigkeit; Ihr Leben bis hinein in seine gleichgültigste und geringste Stunde muß ein Zeichen und Zeugnis werden diesem Drange. Dann nähern Sie sich der Natur. Dann versuchen Sie, wie ein erster Mensch, zu sagen, was Sie sehen und erleben und lieben und verlieren.«

Rainer Maria Rilke

Zu erkennen, was wesentlich in mir wohnt, was mich tief im Herzen umtreibt – ein altes Thema der Menschen. Unsere Zeit mit den vielen Ablenkungen behindern dich, die Antwort auf deine Fragen in dir zu finden. Und sie erschwert es, in der Umsetzung den Fokus zu halten, unser Leben auszurichten. Es gibt viele Möglichkeiten, Angebote, die aufgedrängt werden. Die Werbung in omnipräsent, im Fernsehen, auf den Busen, an den Hauswänden, im Briefkasten, im Radio, im Handy, im Gespräch mit Freunden … Unsere Gedanken werden allzu oft unterbrochen durch Telefonanrufe, SMS, Twitter … Unsere Welt dröhnt überlaut.

Der Lärm der Welt steht dir im Weg, deine eigenen Antworten zu entdecken. Damit du deine Antworten hörst, suche die Stille, suche die Ruhe. Neben der Stille braucht es nur dich, keine anderen Menschen, kein Fernseher, kein Handy, kein Buch, nur dich. Und den Mut die Stille zu ertragen. Dann wirst du deine Antworten erkennen.

Marc Aurel sagte vor knapp 2000 Jahren:

»Blick in dein Inneres. Da ist die Quelle des Guten, die niemals aufhört zu sprudeln, wenn du nicht aufhörst zu graben.«

Marc Aurel

Welche Fragen trägst du in dir? Was hält dich von den Antworten ab? Wo suchst du nach deinen Antworten?

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