Rhetorik hat einen zweifelhaften Ruf. Wenn ein Bekannter auf einem Rhetorik-Seminar war, wirst du vielleicht ein wenig misstrauisch. Rhetorik ist doch Manipulation! Rhetorik ist die Art und Weise jemanden von etwas zu überzeugen, was er ohne diese Rhetorik wahrscheinlich nicht wollte? Rhetorik ist überzeugendes Sprechen? Wie überzeugst du? Welche Rhetorik wendest du an?

Rhetorisch sprechen, dass tun wir alle. Manche bewusst, manche unbewusst, manche erfolgreicher als andere, manche belegen Seminare, manche lesen Bücher, manche hören bei guten Rhetorikern zu oder probieren aus. Jeder hat seinen Weg, jeder hat seine ›Rhetorik‹.

Es ist eine Methode seine Sicht der Welt – wie die Welt ist,wie sie war und wie sie sein sollte – mitzuteilen. Ein guter Rhetoriker überzeugt andere von seiner Sicht auf die Welt. Wenn der Zuhörer mit der Meinung des Rhetorikers nach Hause geht, war die Rhetorik erfolgreich. Zielperson über-redet!

Eine Alternative zu Rhetorik ist Autorität, ist Macht. Der Chef kann seine Mitarbeiter  leichter von seiner Meinung überzeugen, als der Mitarbeiter seinen Chef. Leonardo da Vinci treffend:

»Wer sich im Streit der Meinungen auf die Autorität beruft, der arbeitet mit seinem Gedächtnis statt mit seinem Verstand.«

Leonardo da Vinci

Sicherlich kennst du weitere Alternativen zur Rhetorik. Eine Alternative ist es, durch dein Verhalten andere zu überzeugen. Im positiven Fall lebst du das Gewünschte vor, im negativen Fall entziehst du dem Anderen Aufmerksamkeit und Liebe, um deine Überzeugungen durchzusetzen.

Doch dies sind nur Ausdrucksweisen einer inneren Haltung von dir.

  • Du glaubst, dass du es besser weißt. Natürlich nur in diesem speziellen Fall.
  • Du glaubst, wenn andere denken und handeln würden wie du, wäre es das Beste für alle.
  • Du glaubst, dass es besser wäre, wenn andere ihr Denken einstellen und dir folgen (so klar würdest du es natürlich nie formulieren).
  • Du glaubst, dass es dich bedarf, um den ›richtigen‹ Weg zu gehen.
  • Kurz gesagt: An deinem Wesen, soll dein Umfeld genesen (abgewandelt von Erich Geibel, „Deutschlands Beruf“).

Diese innere Haltung, ich der Wissende, die Anderen – die Unwissenden, ist entscheidender, als die Art und Weise, wie du handelst. In der Geschichte begann das große Unglück oft damit, dass der Eine zu glauben wußte, was gut für alle war. Die Toten der Französischen Revolution (vor allem nach dem Sturz der Machtübernahme), die Toten des Großen Sprungs in China (während der Kulturrevolution), … sind Belege davon.

Diese innere Haltung, ich der Wissende, die Anderen – die Unwissenden, lässt keinen Platz für Respekt. Respekt als Achtung des Anderes, Respekt als Anerkennung der Andersartigkeit des Anderen. Wenn diese innere Haltung durch Rhetorik ausgelebt wird, so bedeutet es im Extremfall: ›Mit mir oder gegen mich!‹

Diese innere Haltung legt den Schwerpunkt deines Handelns auf das Sprechen. Wie sage ich etwas, damit es meine Zielperson überzeuge? Welche Worte wähle ich? Welche Pausen mache ich? Was sage ich nicht?

Zu kurz kommt das Hin-Hören, das Zu-Hören, das Offen-Sein, das Erst-Mal-Stehen-Lassen des Gesagten, das Verstehen-Wollen. Im Ergebnis ein Respektieren des von mir abweichenden Denkens und Sprechens.

Es erfordert Selbstvertrauen etwas zu respektieren, was von deiner Sicht auf die Welt abweicht. Hängt dein Selbstvertrauen davon ab, ob andere die Welt ähnlich wie du sehen? Spürst du Vertrauen in dich, unabhängig von der Zustimmung und Ablehnung, unabhängig von Lob und Kritik.

Wenn du dich respektierst, deinen Selbstwert nicht von Meinungen, Materiellem oder den Umständen abhängig machst, erlebst du bedingungsloses Selbstvertrauen. Du erkennst dich an, wie du bist.

»Wir respektieren, was den Menschen ausmacht, dem wir gegenüber sitzen, ohne Hintergedanken wie wir ihn „knacken“ oder verändern könnten. Radikaler Respekt ist aktiver als Toleranz und mehr als Empathie. Respekt heißt: Ich erkenne die andere Person in ihrem Wesen an.«

Johannes Schopp

Jedes überzeugen wollen führt zu einer Schwächung deines Selbstvertrauens und des Selbstvertrauens des Anderen. Beide verlieren, auch wenn du dich kurzfristig wie ein Sieger fühlst. Deine Abhängigkeit von der Zustimmung durch andere steigt, der Selbstwert des Anderen sinkt.

Statt zu überzeugen, kannst du hinhören, zuhören, verstehen wollen, was der andere sagt. Du wirst erstaunt sein, was passiert, wenn du richtig hinhörst, verstehst.

Probiere es aus, doch Vorsicht, es könnte deine Sicht auf die Welt verändern. Falls du dies nicht möchtest,  ist es besser, wenn du weiterhin rhetorisch redest, verfeinere deine Kunst den Anderen zu ›knacken‹, werde trickreicher, um den Anderen in deinem Sinne zu manipulieren.

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