Es ist sehr laut in unserer Gesellschaft, überall Worte. Aus dem Radio, dem Fernseher, dem Handy, den Zeitschriften, … Durch Email, Handy, SMS, Whatsapp … tauschen wir sehr viele Worte miteinander. Wahrscheinlich ist unsere quantitative (in Worten messbare) Kommunikation noch nie so intensiv gewesen. Wer viel redet, hat nicht immer viel zu sagen – oder gar wichtiges zu sagen. Wer viel redet, benutzt viele Worte. Wie viele Worte verwendest du am Tag? Denkst du nach – bevor du redest, bevor du schreibst, ob es wirklich erforderlich ist?

Bevor es Telefon und Internet gab, war Kommunikation entweder ortsgebunden (persönlich anwesend) oder mit einer Zeitverzögerung (Briefe) möglich. Damals lebten zwei bekannte Menschen, hier deren Ansicht zu Worten und Stille:

»Besser als tausend Worte ohne Sinn
ist ein einziges vernünftiges Wort,
das dem, der es hört, Ruhe schenken kann.«

Buddha

»Wenn das, was Du sagen möchtest, nicht schöner ist als die Stille, dann schweige!«

Konfuzius

Ich wünsche mir einen Tag im Jahr, an dem alle Menschen schweigen (ausgenommen Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind). Ein Tag, an dem kein Wort ausgetauscht wird. Kein Fernseher, keine Musik, kein Telefon, keine Email. Sonia und ich leben dies ab und an, einen Tag voller Schweigen. Es ist ein Wörter-Fasten. Eine sehr senstive Erfahrung.

Wenn du Worte sprichst, bilden Worte deine Realität ab. Sie beschreiben, wie du die Welt siehst. Deine Realität ist einmalig, sie gibt es nur in deinem Kopf. Worte beschreiben niemals eine objektive Realität. Jeder Austausch von Worten ist ein Austausch von subjektiven Wahrnehmungen.

Treffend formuliert von Greg Johanson, Ron Kurtz (‚Heilung im Geiste des Tao te king‘):

»Von Anfang an verweist das Tao te king auf die Unvermeidlichkeit und gleichzeitige Unzulänglichkeit von Worten. In der Psychotherapie können die Worte, die wir gebrauchen, Bedeutung erzeugen aber auch abtöten. Worte können benennen und Bedeutung schaffen, sie können Erfahrungen ausdrücken und verständlich machen. Sie erfassen jedoch nie genau was ist.«

Greg Johanson, Ron Kurtz

Paradox an Worten ist, dass sie auf der einen Seite Kommunikation vereinfachen.Über abstrakte Worte und Konstruktionen teilen wir komplexe Sachverhalte einfach miteinander. Auf der anderen Seite ist jedes Wort subjektiv gefärbt, dass eine Kommunikation wieder erschwert wird. Zwei Menschen reden über eine Urlaubsreise. Beide benutzen die gleichen Wörter, doch in ihrer jeweiligen Realtitä unterscheiden sich die Begriff Strand, Ruhe, Kultur erheblich.

Darum wähle deine Worte sorgfältig. Weniger ist mehr. Streng genommen sollte jeder Satz mit „In meiner Welt …“ beginnen. Damit wäre klar, dass du deine Realität beschreibst (nicht: „Du kommst immer zu spät“, sondern „In meiner Welt kommst du immer zu spät.“). Sei dir deiner Realität bewusst, wie der vermuteten Realität deines Gegenübers. Verwende zusätzliche Kommunikationsmöglichkeiten: Gestik, Mimik, Augenkontakt, Körperhaltungen, entdecke die Vielfalt der Kommunikation. Du verfügst zwei Ohren, einen Mund, du könntest deshalb doppelt so viel hinhören – wie selbst sprechen. 🙂

Du könntest die drei Siebe anwenden (sie werden Sokrates zugeschrieben). Prüfe jede Aussage auf drei Kriterien. Erst wenn du zu allen Fragen hundertprozentig „Ja“ sagen kannst, teilst du dich mit.

  1. Ist deine Aussage wahr, bist du dir sicher?
  2. Fördert deine Aussage das Gute?
  3. Ist deine Mitteilung wirklich erforderlich, wirklich notwendig?

Zum Abschluss Gedanken von Rainer Maria Rilke (21.11.1898, Berlin) zu Worten:

„Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.“

Rainer Maria Rilke
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