Wenn wir vom Einkaufen nach Hause kommen, sieht es aus wie eine erfolgreiche Jagd. Die Tüten sind voll, die Jagd war gut. Wir wissen genau, wie viel wir gespart haben und wie wichtig dieser Fang für unser Leben war. Wir sind die Gewinner, wir haben die Beute.

Die moderne Variante der Jagd erfolgt online, im Internet. Damit entgeht dir zwar das Gefühl des „nach-Hause-tragens“, doch warum die Beute selbst tragen, wenn die Beute geliefert wird!

Früher war die Jagd erforderlich, um überleben zu können. Heute jagen wir, ja, warum jagen wir heute, warum konsumieren wir so viele materielle Dinge.

Materialisierung ideeler Wünsche

Weil wir ›Sinn‹ suchen. Sinn verbinden wir mit ideellen Dingen, Werte, Ziele, Glaubenssätze, Gefühle, Erwartungen, Erinnerungen … Beispielsweise Sinn durch Freude, Freundschaft, Zugehörigkeit, Glück, Gesundheit, …

Da wir ideelle Dinge nicht zeigen, nicht anfassen können, wir von ideellen Dingen nicht leben können, kaufen wir materielle Dinge. So strebt jede ideelle Idee nach ihrer Materialisierung. Die Idee von Modern-sein oder von gefühlter Zugehörigkeit erfordert immer wieder das aktuellste Smartphone. Das Smartphone materialisiert das Zugehörigkeitsgefühl, den ideellen Werten Zugehörigkeit, Verbundenheit.

Tragisch wird es, wenn durch die materielle Umsetzung deine ideellen Bedürfnisse nicht erfüllt werden können oder du keine Grenzen im Konsum kennst. Im letzteren Fall, verliert das Materielle mit dem Besitz seinen Wert (seine vorgesehene Funktion). Sobald wir das Smartphone haben, erkennen wir, dass es nicht allein das Smartphone war, um uns zugehörig zu fühlen. Und schon suchen wir neue Dinge, die uns das Gefühl von Zugehörigkeit geben. Der Besitz von Materiellem befriedigt in diesem Fall nicht unsere Bedürfnisse – er erhöht die Abhängigkeit von ihnen.

Das Problem mit der Zeit

Dazu kommt, dass jedes Ding seine Zeit erfordert, um es zu konsumieren, zu nutzen. Je mehr Dinge wir haben, desto weniger Zeit verbringen wir mit dem einzelnen Ding. Wir weisen den einzelnen Dingen weniger Bedeutung zu, da wir zu ihnen keine Beziehung haben. Und Bedeutung braucht Beziehung – und Beziehung (auch zu Menschen) braucht Zeit. Wir haben jedoch zu viele Dinge und zu wenig Zeit, um wirkliche Beziehungen aufbauen zu können.

Wir verlieren die Beziehungen zu den Dingen. Die Produktlebenszyklen werden kürzer, die Haltbarkeit der Dinge gezielt reduziert. Die Fähigkeiten Dinge zu reparieren schwindet – und, ganz wichtig, dein Tag wird in immer kleinere Zeiteinheiten unterteilt, wir haben immer weniger ungestörte Zeit (Gegenwartsschrumpfung).

Der Teufels-Kreislauf

  • Bedeutung braucht Beziehung.
  • Beziehung braucht Zeit.
  • Zeit haben wir nicht, da wir so viele Dinge besitzen und nach weiteren Dingen streben.
  • Es bleibt kaum Zeit für das, was wir bereits besitzen.
  • Ohne Zeit jedoch keine Beziehung, keine Bedeutung.
  • Ohne Bedeutung kein Sinn, ohne Sinn keine ideele Erfüllung.
  • Ohne ideele Erfüllung die Ersatzhandlung über Konsum.
  • Noch mehr Besitz, noch weniger Zeit, noch weniger Beziehung, noch weniger Bedeutung, noch weniger Sinnerfüllung, noch mehr Besitz.

Damit verfehlen die materiellen Dinge ihre angedachte Funktion für dich. Dein Haus ist voller Dinge, doch materiell fühlst du dich leer, ideell fühlst du dich betrogen.

Zwei Möglichkeiten

Mehr materielle Dinge, in der Hoffnung, dass es irgendwann doch einmal klappen ‚muss‘ mit der Sinnerfüllung durch Konsum. Diese Variante braucht unsere Wirtschaft – oder wie sagte der Marketingguru Lebov (beachte, diese Aussage ist von 1955!):

»Unsere enorme Produktivität verlangt, dass wir den Kauf und den Gebrauch neuer Dinge zu Ritualen machen und unsere Egos durch Konsum befriedigen. Immer schneller müssen wir Dinge konsumieren, ersetzten und wegwerfen. Status und Individualität drücken sich heute durch das aus, was jemand trägt, fährt, isst, durch sein Haus, sein Auto und welche Hobbys er sich leistet.«

Victor Lebow, Journal of Retailing, 1955

Ich bin, was ich besitze

Dein Motto: Ich bin, was ich besitze. Oder: Die Dinge besitzen mich. Wobei mich sowohl Dinge besitzen. die ich habe, als auch Dinge, die ich noch nicht habe, die ich jedoch haben möchte (mehr dazu auf http://www.lebenskunstphilosophie.de)

Ideele Werte anders verwirklichen

Alternativ hinterfragst du deine ideellen Dinge, deine Werte, Ziele, Ideen, Vorstellung, Erwartungen – prüfst, wie du diese alternativ erfüllen kannst. Vielleicht erkennst du, dass manche ideellen Werte doch nicht zu dir passen. Du erkennst,

  • dass dein Selbstwert nicht von einer Modemarke abhängt,
  • dass deine Beliebtheit bei anderen nicht vom Smartphone definiert wird und
  • du erkennst wahrscheinlich, was du wirklich möchtest und
  • welche Menschen in deinem Umfeld wirklich an dir interessiert sind (und nicht an einem Markenträger, Smartphone-Besitzer, …).

Ich bin, weil ich lebe

Dein Motto: Ich bin, weil ich lebe. Oder: Ich besitze die Dinge. Wobei ich deren praktischen Nutzwert gebrauche, nicht deren gesellschaftlichen Presigewert benötige.

Wie immer, liegt die Wahl bei dir. Bei dir als Menschen. Die Industrie liebt dich als Konsumenten, nicht als Menschen.

Abschlussfrage

Bist du in erster Linie Mensch oder Konsument?

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