Wahrscheinlich hält sich jeder für vertrauenswürdig. Viele glauben, man wäre vertrauensvoll, andere könnten einem ohne Bedenken vertrauen. Das eigene Vertrauen in andere Menschen ist weniger ausgeprägt. „Vertrauen muss man sich erarbeiten“, so ein Sprichwort. Wie hältst du es mit Vertrauen: Schenkst du es ohne Bedingung oder gibst du es nur, wenn es jemand ›verdient‹ hat?

Vertrauen bedeutet …

  • unsicher zu sein, wenn du sicher wärst, bräuchtest du nicht vertrauen. Vertrauen setzt dort ein, wo die Unsicherheit beginnt.
  • es nicht klar zu kommunizieren. Wer vertraut, spricht dieses Vertrauen selten klar und direkt aus.
  • Beziehungen zu definieren. Wem du viel vertraust, der ist dir Nahe und umgekehrt.
  • Angst zu haben. Angst durch die Gewissheit, dass Vertrauen enttäuscht werden kann und darf.
  • Mut zu haben, trotzdem zu vertrauen.

Wir reden viel über das Fernsehen, über Stars, über Belanglosigkeiten. Wir reden selten über Vertrauen, selten über Gefühle und Bedürfnisse. Gleichzeitig sehnen sich viele nach wirklichen Begegnungen, weg von der Oberflächlichkeit im Alltag.

Ralf berichtet in unseren letzten Runde von folgenden drei Fragen.

  1. Wie fühle ich mich?
  2. Was fühle ich in dir?
  3. Was fühle ich zwischen uns?

Diese drei Fragen beleben eine Begegnung. Sie lenkt das Gespräch auf Gefühle, auf Dinge die uns verbinden. Sie reduzieren Unsicherheit (was denkt der andere über mich? wie sieht er mich? wie sieht er unsere Beziehung? …). Sie erhöhen Vertrauen.

In diesem Prozess können folgende Worte hilfreich sein:

»Die Kunst besteht darin zu fühlen, wann man etwas Organischem vertrauen kann, und wann etwas von dem Prozeß abgeschnitten ist und unsere Beachtung verlangt. Wenn etwas sich organisch entwickelt, ergibt sich die nächste richtige Handlung unvermeidlich von selbst, und genauso der richtige Handlungsrhythmus.«

Ron Kurtz Johanson

Vertrauen schaffen durch wirklichen Austausch miteinander. Je größer die Klarheit, desto größer das Vertrauen. Ähnlich einem Himmel voller Wolken. Wir wissen nicht (Unsicherheit), ob es bald regnen oder stürmen wird. Ist der Himmel jedoch klar und blau, vertrauen wir auf einen sonnigen Tag.

Die bisherigen Gedanken betrachten Vertrauen in einem Beziehungskontext. Doch Vertrauen in sich selbst, in seine eigene Person, ist ebenso wichtig. Aus seiner Mitte heraus fühlen, denken und handeln. Anzunehmen was ist (und es ist nicht alles so, wie wir es uns wünschen), sich vertrauen, damit umgehen zu können, zu lernen. Weniger vergleichen, bewerten, urteilen, loben, tadeln.

Vertrauen in dich zu haben, in die Seiten, die du an dir magst, und auch in die Seiten, die du nicht magst (du nennst sie vielleicht: Schwächen, Fehler, Makel, …).

Vertrauen in dich zu haben, unabhängig von dem was du Besitzt oder gern besitzen möchtest (in Wahrheit bestitz nicht du die Dinge, sondern die Dinge besitzen dich).

Vertrauen in sich selbst, seine Handlungsfähigkeit, seinen Wesenskern (ohne ihn genau zu kennen). Ein schöner Gedanke – und er ist es Wert sich ihn immer wieder ins Bewusstsein zu rufen. Chögyam Trungpa schreibt:

»Vertrauen zu besitzen bedeutet nicht, Vertrauen in eine Sache zu haben, sondern in einem vertrauensvollen Zustand zu verharren, der frei ist von Konkurrenzdenken und vom Ehrgeiz, andere zu übertreffen. Es handelt sich um einen bedingungslosen Zustand, in dem Du einfach nur über einen unerschütterlichen Geist verfügst, einen Geist, der gänzlich ohne Referenzpunkte auskommt.«

Chögyam Trungpa

Neben Vertrauen in Beziehungen, Vertrauen zu sich selbst gibt es noch das Vertrauen in die Welt.

Auch die Welt ist unsicher. Das einzig sichere ist die Veränderung, die Verwandlung von allem was ist. Als Mensch darauf vertrauen, mit der Wandlung umgehen zu können, Antworten auf noch nicht gestellte Fragen zu finden, seinen Möglichkeitsraum in der Welt damit zu erschaffen und dem eigenen Leben Sinn zu geben.

Diese Gedanken entstanden auf einem Dialog Seminar.

»Entfaltung der Welt

im Raum
im Feld
mit Grenzen
in der Zeit

voller Kraft
aus der Zartheit
und Verletzlichkeit
zum eigenen Ausdruck

ohne Angst
ohne Ziel
mit Vertrauen
in der Wandlung

mit Eigenzeit
ohne Normen
zur Entfaltung
des Möglichkeitsraumes
deiner Welt«

Thomas Rehehäuser

Sich selbst vertrauen, in Beziehungen Unsicherheit durch Gespräche reduzieren und auf deinen Möglichkeitsraum in der Welt vertrauen. Drei Wege zu mehr Vertrauen in der Welt.

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