Kennst du Meetings, Besprechungen oder Termine, Treffen. Ja? Die meisten Menschen finden Meetings im beruflichen Kontext wenig produktiv und oft zu lang. Unproduktiv, weil es oft nicht um einen Dialog geht, sondern um sequentielle Monologe. Man sagt nacheinander seine Meinung, jeder für sich – ohne aufnahmebereit für die Worte des Anderen zu sein. Die Worte des Anderen verändern selten etwas in uns.

William Isaac beschreibt es in ‚Dialog Als Kunst Gemeinsam Zu Denken. Ed. Humanistische Psychologie, 2002‘ so:

»Die Schwierigkeit liegt zum Teil darin, dass wir dazu neigen, das, was wir sagen, sehr schnell mit dem zu identifizieren, wer wir sind. Deshalb wirkt es fast wie Selbstmord, bestimmte Vorstellungen aufzugeben.«

William Isaac

Eine Vorstellung von uns, ein Weltbild, eine Annahme aufzugeben, wann konntest du dies bei einem anderen Menschen beobachten? Wann hast du zum letzten Mal eine Vorstellung, eine Position, eine Annahme von dir aufgegeben?

Meist passiert dies nicht, es ist die Ausnahme. Wir verteidigen unsere Position wie im Stellungskrieg. Fürchten wir das Gesicht zu verlieren, schwach zu sein, wenn wir unsere Position aufgeben? Der ein oder andere versteht es unbewusst als eine Bedrohung seines Selbstwertes, seines Selbsts, wenn er eine Position aufgibt. Als wäre es eine Art Selbstmord (oder besser Selbsttötung).

Um Selbsttötung zu vermeiden, tun wir alles. Wir ignorieren, wir leugnen, wir zitieren Statistiken (oder interpretieren sie neu –  erfinden sie), wir greifen den Anderen persönlich an, wir lassen unsere Macht spielen, wir eröffnen Nebenkriegsschauplätze, wir versuchen es zu vertagen. Eine unendliche Liste. Nur eines tun wir nicht, wir verlassen nicht unsere Position, unsere Stellung (Stellungskrieg).

»Gespräche werden meist von Menschen geführt, die genau wissen, was sie denken und warum sie so denken.«

William Isaac

Weiter führt er eine möglich Lösung auf:

»Solche Menschen können nicht in einen Dialog eintreten. Der Dialog braucht Menschen, die sich von dem überraschen lassen können, was sie sagen, ihre Gedanken nicht schon geordnet haben und die Bereitschaft besitzen, sich durch das Gespräch beeinflussen zu lassen. Sie haben die Fragen, ohne die Antwort schon zu kennen, und fordern die Antwort auch nicht von anderen.«

William Isaac

Er nennt dies generell „suspendieren“.

Generell geht es um die Erkenntnis, dass mein Denken, meine Annahmen, meine Erfahrungen ein Teil der Wirklichkeit sind. Und das die Wirklichkeit aus vielen Teilen, von vielen unterschiedlichen Menschen, besteht.

Keiner braucht die Selbsttötung, wenn er sich auf andere Teile der Wirklichkeit einlässt. Im Gegenteil, ich kann mich freuen, der Andere erweitert meinen Horizont . Ich lernte einen weiteren Teil der Wirklichkeit kennen.

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