Leben ist Veränderung. Nichts ist sicher, alles ist im Fluss. Unbewusst oder bewusst versuchen wir diese Unsicherheit mit Glaubenssätzen, Erwartungen, Annahmen zu reduzieren – mehr oder weniger erfolgreich. Gleichzeitig braucht das Leben Vertrauen. Wie können wir Vertrauen, trotz dieser Unsicherheit?

Viele bieten Pseudo-Lösungen an

Es gibt viele Konzepte, Religionen, Gemeinschaften, die sich speziell aus diesem Grund gebildet haben: die Reduzierung der Unsicherheit deines Lebens. Doch es ist die grundlegende Eigenschaft des Lebens, dass es nicht beständig und voller Veränderung ist. Unser Versuch das Leben festzuhalten ist allzu menschlich. Versicherungen sind ein gutes Sinnbild dafür. Damit wollen wir die Unsicherheiten reduzieren, wenn etwas passiert, dann bin ich wenigstens versichert.

Religionen bieten eine andere Art von Pseudo-Sicherheit an. Sie lösen die Frage nach dem Warum, nach dem Sinn. Sie erklären dir ihre Welt. Wenn du an diese Welt glaubst, bekommst du Antworten auf deine Fragen und andere Menschen, die an die gleichen Antworten glauben. Da die meisten Fragen zu Lebzeiten nicht beantwortet werden können, sind diese Antworten über die Zeit sehr stabil. Im Ergebnis schaltest du dein Denken für einen Teilbereich aus.

Kultur reduziert Unsicherheit

Jede Kultur reduziert durch ihre Normen, Werte, Regeln und Erwartungen die Komplexität in der Welt. Aus der fast unendlichen Vielfalt der Möglichkeiten ermöglicht eine Kultur die Auswahl einer weniger Möglichkeiten. Deren Anwendung verspricht dem Akteur Sicherheit. Motto: Wenn du dich in unserer Kultur so und so verhält, dann bist du einer von uns.

Peter Kruse bringt es auf den Punkt:

»Kultur bedeutet die Reduktion von Komplexität und Unsicherheit.«

Peter Kruse

Vertrauen trotz Unsicherheit

Alternativ zur Abgabe deiner Verantwortung kannst du lernen mit Unsicherheit zu leben, sie als Bestandteil des Lebens anzusehen. Ja, sogar als wichtige Voraussetzung für dein Leben. Ohne Unsicherheit verliert der Augenblick seinen Sinn und Wert.

Wie wäre es für dich, wenn dein Leben bereits geschreiben wäre. Jeder Tag deines Lebens, jede Handlung fest geschrieben. Du könntest heute lesen, was du morgen, zu welcher Uhrzeit wo tust. Du könntest vor jeder Entscheidung nachlesen, wie du dich entscheiden würdest. Du könntest alle Fragen dein Leben betreffend beantworten!

Du verlierst du die Unsicherheit oder ein anderes Wort dafür: deinen Möglichkeitsraum. Es gibt keine Möglichkeiten in deinem Leben, es gibt Gewissheiten. Deine Träume sind tod. Es gibt das geschriebene Wort, deine Realität. Du brauchst kein Vertrauen mehr, du hast Gewissheit. Wird deine Frau dich betrügen? Lies nach. Wirst du an einer schweren Krankheit sterben? Lies nach. Wirst du Kinder bekommen? Lies nach?

Vertrauen braucht Alternativen

Vertrauen kann es nur dort geben, wo etwas unsicher ist. Vertrauen braucht Wahlmöglichkeit, braucht Alternativen.

Diese Alternativen realisieren sich im Augenblick. Damit gibt die Unsicherheit dem Augenblick seinen wahren Wert. Wir wissen nie wie lange er dauert. Nimm den Augenblick an. Erkenne seine Einzigartigkeit. Seinen Bezug zu dir selbst, zu deinem Möglichkeitsraum.

Simone de Beauvoir beschreibt in ‚Alle Menschen sind sterblich‘ wundervoll, was passiert, wenn der Augenblick an Wert verliert. Christian Morgenstern hat auch ein Rezept für den Umgang mit Unsicherheit:

»Alles fügt sich, alles schickt sich
musst es nur erwarten können
und dem Wachsen deiner Wünsche
Zeit und reichlich Bilder gönnen.

Bis du eines fernen Tages
jenen reifen Duft der Körner spürst
und dich aufmachst
und die Ernte in die tiefen Speicher führst.«

Christian Morgenstern

Abschlussfrage

Wie gehst du mit der Unsicherheit im Leben um? Kannst du Vertrauen trotz Unsicherheit?

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  • Isabelle

    Hab grad mal die Gelegenheit genutzt und bin auf deinem Blog vorbeispaziert. „Vertrauen trotz Unsicherheit“ spricht mir aus der Seele 😉 Ich spüre die Unsicherheit auf verschiedenen Ebenen und übe Vertrauen. Vertrauen in mich und mein Projekt, Vertrauen in meine Kunden und in mein Konzept… Das ist nicht immer leicht, aber ich glaube fest an die Verbundenheit von Allem und dass sich Herzblut investieren und Schritte ins Ungewisse lohnen. Auf jeden Fall macht es glücklich, auch wenn es manchmal nachts wach hält 😉