„Effizienz, Exzellenz, Leistung, Wettbewerbsfähigkeit, Innovation oder Wachstum – es gibt heute kaum einen Lebensbereich, in dem diese abstrakten Begriffe nicht zu gesellschaftlichen Idealen auserkoren werden. Warum und wozu alles in unzähligen Wettbewerben immer noch effizienter, noch exzellenter, noch wettbewerbsfähiger und noch innovativer werden muss, weiß in Wirklichkeit niemand so genau. In unserer gründlich durchsäkularisierten Gesellschaft sind diese Begriffe zu den letzten, nicht mehr zu hinterfragenden Werten geworden, denen zu dienen unser höchstes Ziel ist.“

Mathias Binswanger (siehe auch sein Buch – Sinnlose Wettbewerbe)

Wir messen alles, immer, überall. Wir fahren nicht mehr Fahrrad ohne die KM, die Dauer, die Höhenmeter … zu messen. Wir fragen seltener nach dem Wert eines Gutes, doch immer öfter nach dem Preis und der erzielten Einsparung, wenn das Preisetikett uns eine Preisreduzierung anzeigt. Wir vergleichen uns, viel zu oft, mit völlig fremden Menschen, mit Freunden und fühlen uns dabei schlecht, weil es immer Menschen gibt, die wir in einem Bereich als „besser“ einschätzen.

Wer stehen bleibt, wer also kein Wachstum nachweisen kann, gilt als verloren – getreu dem Motto: Wer nichts tut, fällt zurück.

Wachstum, Bewegung, Leistung – alles Begriffe die in jedem Bewerbungsanschreiben stehen sollten. Wehe dem, der schreibt, dass er demütig zurück tritt, dass er seine Leistung nicht messen möchte, sondern die Dinge einfach tut. Was wäre, wenn er schreiben würde, dass ihn Vergleiche mit Kollegen egal sind – sondern dass er eigene Maßstäbe hat. Ein Frevel wäre es auch, Innovation abzulehnen, Fortschritt abzulehnen. Innovation, eines der heiligsten Wörter des Kapitalimus. Innovation ist für den Markt lebens-NOT-wendig! Ohne Innovation keine neuen Produkte, keine neue Marktteilnehmer, keine Verdrängung – also Stillstand, Monopolbildung, Chaos …

Also, strengen wir uns lieber an, im Sinne unserer eigenen Wettbewerbsfähigkeit (Stichwort Ich AG, Eigen-Marketing, …) – ups, jetzt sollten wir noch schnell klären, wie wir diese Begriffe auf das Rentenalter übertragen – den welchen Wert hat ein Rentner, der die obigen Kriterien nicht mehr erfüllen will oder kann???

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