Was soll uns diese Frage sagen? Sind Straßen nicht etwas wertvolles und wichtiges. Wie beschwerlich wäre das Leben ohne Straßen, wie langen würden wir  von Heidelberg nach Frankfurt brauchen, wenn es keine Straßen gäbe?

»Wo Straßen gebaut sind, verliere ich meinen Weg.«

Rabindranath Tagore (1861-1941), indischer Philosoph

Straßen sind auch Erfahrungen, diese entwickeln sich mit der Zeit zu

  • Haltungen,
  • mentalen Modellen der Wirklichkeit,
  • Deutungsmustern
  • kulturellen Bindungen,
  • Referenzrahmen,
  • Allgemeinwissen und
  • Glaubensstäzen.

Ein kleines Beispiel dazu:

»Die Unfähigkeit, sich kulturell, also in den Modi des Wahrnehmens und Handelns unter Stress auf die veränderten Bedingungen anders einzustellen als mit intensiviertem Erfahrungshandeln, führt regelmäßig zu etwas wie einem gesellschaftlichen Tunnelblick und damit dazu, dass andere Möglichkeiten gar nicht mehr wahrgenommen werden können. Alternativlosigkeit empfanden auch die grönländischen Wikinger, als ihnen die Nahrung ausging. Sie hätte nur Fisch zu essen brauchen, aber der galt in ihrer Kultur nicht als essbar. So sinnlos stirbt man aus.«

Harald Welzer, ‚Selbst denken‘

Vor lauter Straßen sehen wir die Möglichkeiten nicht mehr. Wir erkennen die Gefahren nicht mehr.

Wundervoll in diesem kurzen Video dargestellt:

Unter Stress reagieren viele Menschen mit alten Handlungsmustern. Sie fahren die alte, bekannte Straße. Bei neuen Problemen benutzen wir dann alte Handlungsmuster. Und das funktioniert nur selten.
Wieder Harald Welzer aus Selbst denken:

»Ein gemeinsames Merkmal solchen Scheiterns lag darin, dass man in dem Augenblick wo sich die Einsicht durchsetzte, dass die Überlebensbedingungen prekär wurden, alle Strategien intensivieren begann, mit denen man bislang erfolgreich gewesen war.«

Harald Welzer

Deshalb verliere ich meinen Weg, sobald Straßen gebaut sind. Ich höre auf selbst zu denken, die Straße denkt für mich.

Und die Straße steht für viele Dinge in unserer Gesellschaft. Es geht nicht nur um unsere Fähigkeit neue Probleme zu lösen, sondern auch um Werte, die wir nicht mehr hinterfragen, um Machtstrukturen, die wir für natürlich halten, um Vorschrift, die wir als Gesetz betrachten, um den Kapitalismus, den wir als beste Lösung betrachten …

All das sind Straßen, die uns von unserem Weg abbringen.

Deshalb schalten wir das Denken wieder ein, hinterfragen wir alles! Gerade bei Problemen sollten wir die Ursachen mehrfach hinterfragen, damit wir nicht zu früh auf alte, bekannte Straßen gehen.

Welches Problem willst du kritisch hinterfragen?

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