Vincent Klink im Interview (Schrot&Korn 07-2013):

»Haben Sie eine Erklärung dafür, dass in Deutschland bei Autos oder Waschmaschinen immer das Beste gekauft wird, bei Lebensmitteln aber viele in den Discounter gehen und möglichst billig kaufen wollen?
Das liegt daran, dass viele Leute einach nach außen leben. Für sie ist es sehr wichtig, wie die Umwelt sie wahrnimmt.

Also Statussymbole.
Genau, und deswegen braucht man einfach diese und jene Leichtmetallfelgen oder diese und jene Auto- oder Jeansmarke. Aber das, was drin ist im Bauch, das sieht der Nachbar nicht. Damit kann man nicht angeben. Und schlussendlich: Ein klein bisschen ist natürlich auch unser preußisches Erbe, dieses Kasteien, schuld: Das ist ja schon fast Selbsthass. Es gibt Leute, gerade hier im Schwäbischen, die sich entschuldigen, wenn es ihnen gut geht. Ja, Herrgott, nochmal. Das geht mir gar nicht in den Kopf rein.

Wie werden wir denn ein Volk von Genießern?
Da ist man fast auf verlorenem Posten, weil auf der Gegenseite des Genießens die Industrie steht. Wir sollen Radios, Fernseher, Computer, Autos kaufen. Der Werbedruck ist so groß, alles mögliche zu kaufen, dass für gutes Essen kein Geld mehr bleibt. Auch in puncto Essen: Warum soll ich einen Bio-Apfelsaft trinken, wenn die Werbung mir Cola förmlich aufzwingt. Da hat der Bio-Apfelsaft im Grunde keine Chance.«

Für die Pflege und Wartung unseres Autos tun wir mehr als für uns selbst. Das Öl für das Auto kostet 20 Euro der Liter. Die regelmäßige Wartung in der Werkstatt ist Pflicht. Und die Pflege von Lack und Innenraum ist wöchentliches Ritual.

Das Öl für den Salat kostet 99 Cent der Liter. Zum Arzt gehen wir nur, wenn es gar nicht mehr anders geht (also wenn es schon fast zu spät ist). Die Pflege unseres Körpers beschränkt sich auf Duschen und Haare waschen, kein Sport, wenig geistige Herausforderungen.

Unser Auto ist uns wichtiger als wir selbst!

Das Problem an der Sache dabei ist, dass wir (finanzielle Mittel vorausgesetzt), schnell ein anderes Auto kaufen können. Doch einen Doppelgänger von uns gibt es nicht zu kaufen. Auch können wir an einem Auto den Lack erneuern, oder eine kaputte Türe ersetzen. Unser Körper kann dies nur sehr eingeschränkt. Er vergisst nichts.

Aber mit einem gesunden Körper kann ich meine Außenorientierung, meine Status-Abhängigkeit nur schwer ausleben. Denn auf den Körper zu achten ist viel anstrengend und braucht viel Zeit, darüber hinaus ist unsere Kultur eher körperfeindlich eingestellt.So bezeichnen wir Menschen als Eitel, wenn sie sehr auf ihren Körper achten – und von Frauen erwarten wir, dass sie wie Magersüchtige aussehen, um sie gesellschaftlich als „schön“ zu bezeichnen.

Nun ja, dann freut sich wenigsten die Konsumgüterindustrie über die vielen gekauften Konsumgüter, die Automobilindustrie über unsere Vergötterung des Autos, die Motorölindustrie über den fortwährenden Verbrauch von Motorenöl und die Gesundheitsindustrie über den nicht versiegenden Fluss an kranken Menschen.

Du bist, was du isst! Guten Appetit!

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