Hier geht es um Glaubenssätze, die so tief liegen, dass wir sie kaum erkennen. Heute: Deine Entscheidungen müssen logisch und vernünftig sein.

Ausgangspunkt ist Fritz Simon (‚Gemeinsam sind wir blöd!?‘, S. 37 ):

»Da unternehmerische Entscheidungen immer zukunftsgerichtet sind, d. h. die Entscheidungen von heute das Schicksal des Unternehmens und seiner Mitarbeiter von morgen bestimmen, sind sie stets hochriskant. Da niemand die Zukunft kennt, ist auch nicht zu sagen, wer über das in Zukunft relevante Wissen verfügt.«

Fritz B. Simon

Übertrage dies auf deine Entscheidungen, jede Entscheidung ist zukunftsgerichtet und unsicher. Und jede Logik ist (per Definition) vergangenheitsorientiert. Diese Kombination von zukunftsgerichteter Entscheidung und vergangenheitsorientierter Logik wäre nicht weiter schlimm – wenn wir in einer einfachen, statischen Welt leben würden.

Doch wir leben in einer komplexen, sich ständig wandelnden Welt.

Keine Sorge, es gibt genügend Ratgeber, die vorgeben zu wissen, was zu tun ist. Die Buchläden sind voll von Rezeptbüchern, Anleitungen. Getreu dem Motto: Willst du X, dann mache Schritt 1, 2, 3 …

Dies mag manchmal nützlich sein, meist jedoch – im besten Fall – sinnlos, leider oft genug kontraproduktiv (z. B. Jojo-Effekt, Unternehmensberater in Aktion …). Ursache ist nicht nur eine standardisierte Vorgehensweise, die die individuelle Situation nicht ausreichend berücksichtigt, sondern vielmehr der Umstand, dass auch der Autor von Rezeptbüchern die Zukunft nicht kennt.

Logische Entscheidungen in einer unsicheren, komplexen Welt zu treffen ist somit unlogisch.

Neben diesen Rahmenbedingungen reduziert Logik unser Denken auf eine wissenschaftliche Sichtweise unserer Welt, die seit über 100 Jahren veraltet ist. Sie geht von einer objektiven, beschreibbaren Welt aus, die gezielt beeinflusst werden kann. Eine Welt, die sich logisch verhält (so wie Newton die Welt beschrieb).

Wenn dies so wäre, hätte die Menschheit schon viele Probleme (z. B. Hunger in der Welt, Umweltverschmutzung, Kriege, Arbeitslosigkeit, Müllberge …) in den Griffbekommen. Die Relativitätstheorie von Einstein (und in seinem Gefolge Heisenberg, Hawkin, …) wäre falsch.

Die Welt ist so vielfältig, wie es Menschen gibt, die sie betrachten. Jeder Mensch betrachtet die Welt mit seinen Sinnen unterschiedlich, sowohl in der Auswahl der Sinne, sowie in der Wahrnehmung, Beurteilung und Interpretation und konstruiert daraus seine Realität. In diesem Sinne ist jede Logik abhängig von der Person, die diese Logik entwirft.

Womit wir bei der Vernunft wären. Vernünftig im Sinne, dass du handelst, wie dein Umfeld es erwartet.

  • Im 3. Reich war es vernünftig den Hitlergruß zu vollziehen und fremde Länder zu überfallen.
  • In Europa gab es eine Zeit, da schien es der Kirche vernünftig Frauen mit roten Haaren zu verbrennen. In dieser Zeit war es auch vernünftig seine Mitmenschen zu denunzieren, wenn sie sich nicht entsprechend den Vorgaben der Kirche verhielten.
  • Vor ein paar Jahrhunderten war es vernünftig zu glauben, dass die Erde der Mittelpunkt der Welt war, und jeder der dies anzweifelte, durfte um seine körperliche Existenz fürchten.
  • Andere Menschen als Sklaven einzufangen und zu verkaufen war für viele Menschen vernünftig. Sie als Sklaven ein Leben lang auszunutzen, es mit den Kindern der Sklaven ebenfalls zu tun, war auch vernünftig.

Diese Liste von vernünftigem Verhalten ist noch länger, möge jeder seine Beispiele finden.

Wir finden es vernünftig, dass wir Obst und Gemüse in Plastik verpacken – oder sehr viele Lebensmittel neben der Hauptverpackung nochmals separat verpackt sind. Wir produzieren Plastik-Müll ohne Ende. Es stört uns nicht, dass wir damit die Meere mit Plastik-Inseln füllen und das dieses Plastik zwischen 500 und 10.000 Jahren braucht, bis es verrottet (im Meer soll es sogar noch länger dauern, Quelle siehe Wikipedia, Bundesumweltamt). Das wir später dieses Plastik über die Nahrungsmittelkette selbst essen, stört uns in unserem Verhalten auch nicht. Für unsere Politiker finden es vernünftig jährlich mehr Geld auszugeben, als einzunehmen (Stichwort Haushaltsdefizit).

Eine Alternative zu logischen und vernünftigen Entscheidungen?

  • Das eigene Gehirn einschalten, selbst denken. Nicht nachahmen.
  • Die Verantwortung für seine Entscheidungen und dessen – auch langfristige – Folgen übernehmen.
  • Die Situation nicht nur logisch, vernünftig, sondern auch intuitiv, emotional, aus mehreren Perspektiven, systemisch betrachten.
  • Mit der Unsicherheit der Zukunft leben lernen.
  • Die Entscheidung unter dieser Unsicherheit treffen und offen sein, diese wieder zu verändern.
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