Sprache ist etwas wundervolles, sprechen eine Kunst. Sprechen als ein Akt der Selbstaussage wird immer seltener. Viele sprechen heute über fremde Informationen, aus einer dritten Perspektive. Kaum einer spricht über sich.

Wenn du selbst etwas erfahren hast, sind es eigene Informationen. Alles andere sind fremde Informationen. Dieser Text ist eine fremde Information. Eine dritte Perspektive erkennst du daran, dass der Sprecher nicht über sich, sondern über andere spricht. Ein Spezialfall davon ist das Wort ›man‹. Dieses Wort signalisiert, dass der Sprecher sich in der Allgemeinheit verstecken will („man sollte mal …“ bedeutet, andere sollten mal).

Ein Beispiel für fremde Informationen aus der Perspektive Dritter:
„Viele Studien sagen aus, dass es für Arbeitslose besser wäre, wenn sie schnell wieder in Beschäftigung kommen, unabhängig vom Stundenlohn.“
oder
„Petra hat erzählt, dass Barbara schon wieder eine Diät abgebrochen hat. Barbara wird es wohl nie schaffen und unglücklich bleiben, wenn sie ihr Leben nicht grundlegend ändert!“

Die Kunst des Sprechens, im Sinne einer wirklichen Selbstaussage ist das Gegenteil davon. Du sprichst über eigene Informationen, aus deiner Perspektive.

Ein Beispiel für eigene Informationen aus meiner Perspektive:
„Wenn ich Obdachlose Menschen auf der Straße sehe, dann frage ich mich, wie verlief das Leben dieses Menschen?“
oder
„Petra hat erzählt, Barbara hätte die Diät abgebrochen. Ich frage mich, wie es Barbara geht und besuche sie morgen!“

Sprechen hat viel mit Verantwortung zu tun. Verantwortung für das eigene Denken und Handeln, Verantwortung für die Einnahme eines eigenen Standpunkts. Verantwortung für die Frage: Was tue ich und welche Wirkung habe ich?

Wenn du im Namen anderer sprichst, übernimmst du die Verantwortung für andere – ohne die Verantwortung für dich wahrzunehmen. Du unterstellst Bedürfnisse. Du gibst vor, Dinge aus fremden Blickwinkel sehen zu können. Dazu nutzt du Informationen, die du nicht selbst gewonnen hast, sondern aus dritten Quellen stammen. Die Kombination von fremden Informationen für dritte Personen ist doppelt gefährlich. Zur Unwissenheit über den Sachverhalt, kommen die Annahmen über die Bedürfnisse anderer.

Anders gefragt: Welche Person kennt deine Bedürfnisse am besten, welche Person hat die alle relevanten Informationen über dich? Es gibt nur eine Person, das bist du selbst – kein Dritter. Sich selbst zu kennen, zu wissen welche Bedürfnisse ich habe – ist schon schwer genug.

Es verändert die Wahrnehmung, es verändert dein Umfeld, es verändert dein Leben, wenn du mehr über deine Erfahrungen, deine Wahrnehmungen und deine Bedürfnisse sprichst.

Probiere es doch aus 🙂

Sei nicht entmutigt, wenn es nicht gleich klappt. Die Praktik des Sprechens wird mit jeder Anwendung, mit jeder Wiederholung tiefer und verstärkt sich.

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