Das Leben als Maskenball. Alle verstellen sich und tun so, als merke dies keiner. Ein Maskenball, der in der Kindheit beginnt und mit dem Tod endet. Ein anderes Leben, nicht das eigene, wird gelebt. Was wäre es für ein Leben, wenn sich jeder wirklich zeigen würde?

Viele schaufeln sich ihre eigene Grube, fallen hinein und beklagen sich darüber. Konkret: Viele verstellen sich (schaufeln sich ihre Grube), wünschen sich jedoch von anderen gesehen zu werden, so wie sie ›wirklich‹ sind (fallen hinein). Innerlich zerfrisst sie die Unzufriedenheit, weil keiner sie wirklich kennt. Sie kennen sich selbst kaum. Ein kleiner Teufelskreislauf: Wenn mich jemand wirklich kennen würde, könnte ich mehr sein, wie ich wirklich bin.

Statt dessen verstecken wir uns hinter Maksen!

Gustav Klimt - Allegorie des Theaters, um 1895, Tuschfeder 39x36 cm

»Wer in den Spiegel des Wassers blickt, sieht zunächst sein eigenes Bild. Wer zu sich selber geht, riskiert die Begegnung mit sich selbst. Der Spiegel schmeichelt nicht, er zeigt getreu, was in ihn hineinschaut, nämlich jenes Gesicht, das wir der Welt nie zeigen, weil wir es durch die Persona, die Maske des Schauspielers, verhüllen. Der Spiegel aber liegt hinter der Maske und zeigt das wahre Gesicht. Dies ist die erste Mutprobe auf dem inneren Wege, eine Probe, die genügt, um die meisten abzuschrecken, denn die Begegnung mit sich selber gehört zu den unangenehmeren Dingen, denen man entgeht, solange man alles Negative auf die Umgebung projizieren kann.«

Carl Gustav Jung

Tragik pur

Tragisch wird das Ganze deshalb, weil jeder so sein könnte, so wie er ist. Dazu braucht er keine Modemarken, kein Smartphone, kein Glitzer, kein Scheinen-Wollen. Doch das ist eine alte Geschichte …

»Denn das Große ist nicht, dies oder das zu sein, sondern man selbst zu sein. Und das vermag ein jeder Mensch, so er will.

Søren Kierkegaard

Bei den Kindern beginnt es

Rilke bringt es gnadenlos auf den Punkt: Als Masken mündig, als Gesicht verstummt! Grausam, ehrlich, Realität!

»Zufälle sind die Menschen, Stimmen, Stücke,
Alltage, Ängste, viele kleine Glücke,
verkleidet schon als Kinder, eingemummt,
als Masken mündig, als Gesicht – verstummt.«

Kinder lernen, dass sie nicht gut genug sind. Im Kindergarten gibt es Listen, wer etwas gut und nicht so gut kann. Sie lernen, ich bin nicht gut genug. Sie lernen, dass sie die Erwartungen nicht erfüllen. Sie beginnen eine Maske zu tragen. Wir nennen dies „lernen“.

Sei endlich du selbst

  • Sei du selbst. Lege deine Masken ab.
  • Sei du selbst. Sei dein eigener Maßstab.
  • Sei du selbst. Stehe für dich ein.
  • Sei du selbst. Zeige dich, sei greifbar.
  • Sei du selbst. Nehme dich an, wie Du bist.

Es scheint das einfachste in der Welt, da es keine Voraussetzungen kennt. Du brauchst keine Bücher dafür, keine Seminare, keine Berater. Du musst nicht darauf sparen oder warten, bis du Zeit dafür hast oder gar auf bessere Umstände warten, du kannst immer du sein!

Brauchst du Mut dazu?

Vielleicht brauchst du Mut, um den ersten Schritt zu tun.

  • Mut dich selbst zu sehen, dich mit deinen Gefühlen und Bedürfnissen zu sehen.
  • Mut dich zu zeigen, dich anderen mit deinen Stärken und Schwächen zu zeigen.
  • Mut dich verletzen zu lassen, dich ins Risiko zu begeben und zu verlieren.
  • Mut dich auffangen zu lassen, dich in den freien Fall zu wagen.
  • Mut dich selbst näher kennen zu lernen, dich in die dunklen Ecken zu begeben.
  • Mut dich selbst zu lieben, so wie du bist!

Was erwartet dich ohne Maske?

Jahrelang klammerst du dich an deine Maske/n. Sie geben dir Sicherheit, Vorhersehbarkeit. Du weisst, was du hast und bekommen wirst (auch wenn es nicht das ist, was du bist und gerne hättest oder brauchst).

Ja, ohne Maske wartet als erstes die Ungewissheit, die Unsicherheit. Du weißt nicht, wie andere auf dich reagieren. Ob sie dich dafür ablehnen, ausgrenzen, verurteilen. Ja, manche werden dir sagen, dass du mit Maske besser in ihre Erwartungen, in ihre Schublade von dir, gepasst hast. Ja, manche werden dir Nahe legen, wieder „wie früher“ zu sein, deine Maske wieder zu tragen. Ja, manche mochten dich nur mit deiner Maske. Du trägst als Preis für ihre Zuwendung deine Maske.

Und es wird Menschen geben, die freuen sich, dass du deine Maske ablegst. Sie fangen dich auf, unterstützen dich, sie sehen dich. Diese Menschen wollen dich wirklich sehen, so wie du bist. Sie atmen auf, dass du greifbarer bist. Sie sehen dir an, dass es noch ungewohnt ist, sie sehen die Kraft in deinen Augen, die langsam zu wachsen beginnt.

Ich mag Rilke, oh, welche Zeilen er dazu zauberte:

»Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.

 

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt… «

Rainer Maria Rilke, 22.2.1898, Berlin-Wilmersdorf

Bist du du gewesen?

Zum Abschluss Martin Buber:

»Als es mit Rabbi Sussja ans Sterben kam, fragten ihn seine Schüler und Freunde: Hast du denn gar keine Angst? Rabbi Sussja gab zur Antwort: Wenn ich an all die Grossen und Bedeutenden denke, an Mose und Abraham und Jeremia, den Propheten, dann wird mir schon Angst. Aber ich bin gewiss: Gott wird mich in der kommenden Welt nicht fragen: Warum bist du nicht Mose gewesen, sondern: Warum bist du nicht Sussja gewesen?«

Martin Buber

Abschlussfrage

Was erwartest du, wenn du deine Masken ablegst?

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