Der erste Tag im neuen Jahr. Der Anfang des Jahres. Dieses Jahr steckt voller Möglichkeiten – und der ein oder andere von uns steckt voller Fragen – was er den in diesem Jahr Tun und Lassen möchte, sollte, müsste, könnte … 

Im Studium lernte ich Probleme zu erkennen und Lösungen zu finden. Lösungen waren ein zentrales Thema, so zentral, dass in die Erarbeitung von Lösungen sehr viel Zeit investiert wurde. Weniger Zeit wurde in die Formulierung von Fragen investiert, die Fragen waren meist vorformuliert, oft widerspruchsfrei und klar.

Doch im Leben sind unsere Fragen selten vorformuliert, oft sind sie voller Widersprüche und unklar. Sollten die Fragen vorformuliert sein, sind es meist nicht deine persönlichen Fragen.

Wir springen zwischen der Suche nach der richtigen Frage und der Lösungssuche oft hin und her, ohne recht weiter zu kommen. Es bewegt sich nichts, außer unseren Gedanken, die sich scheinbar im Kreise drehen.

Rainer Maria Rilke schrieb einen Brief an einen jungen Dichter, in dem er diese Thematik aufgriff:

»Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antworten hinein.«

Rainer Maria Rilke

Die Fragen selbst lieben und leben. Keine Lösungen suchen, sondern die Frage lieben und in die Antwort hinein leben.

Wir leben ohne klare Lösung, ohne fixiertes Ziel, sondern wir leben die Fragen unseres persönlichen Lebens. Während sich die Lösungen im Laufe deines Lebens verändern, bleiben die Fragen beständig und wandeln sich kaum. Ab und an kommen neue Fragen hinzu, alte Fragen fallen weg.

Wenn du deine Fragen lebst, lebst du in Veränderung. Du haftest nicht an alten Lösungen, die früher gut waren, sondern kannst dich leichter für Neues öffnen. Für neue Situationen, neue Menschen, neue Aufgaben. Du erkennst schneller, was von dem Neuen gut für dich ist – und was du getrost zu Kenntnis nehmen und vergessen kannst.

Kennst du die Fragen deines Lebens? Lebst du die Fragen oder lebst du die Lösung?

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