Ein Leben aus der Zukunft, was soll das sein? Begriffe offenbaren sich, wenn du nach dem Gegenteil fragst. Was wäre ein Leben aus der Vergangenheit? Was wäre ein Leben aus der Gegenwart? Doch eins nach dem anderen.

Quintessenz
  • sei dir deiner Vergangenheit bewusst, doch lasse sie nicht deine Gegenwart bestimmen
  • handle achtsam in der Gegenwart, doch bedenke die Folgen für die Zukunft
  • du kannst die Zukunft nicht planen, doch du kannst Rahmenbedingungen schaffen, um eine wünschenswerte Zukunft zu ermöglichen
  • deine Lebensenergie ist kostbar, sie ist einmalig im Universum, nutze sie sorgsam

Leben bedeutet Veränderung, Wandel. In der Gegenwart handelst du. Der Bezugspunkt deines Handelns in der Gegenwart kann in der Vergagenheit, Gegenwart und Zukunft liegen.

Leben aus der Vergangenheit

Es gibt Menschen, die richten ihr handeln an der Vergangenheit aus. Sie wollen bewahren, was war, was sie haben. Sie wollen kein Risiko und wollen nichts verlieren. Eine statische Welt wäre perfekt für sie. Diese Menschen leben aus der Vergangenheit.

Leben in der Gegenwart

Menschen, die in der Gegenwart leben, kümmern sich nicht um das, was war. Sie leben im Hier und Jetzt. Welche Folgen ihr Handeln nach sich zieht, interessiert sie nicht. Sie kaufen Produkte, deren Herstellung viele Umweltprobleme nach sich zieht und deren Entsorgung viele tausende von Jahren braucht.

Harald Welzer auf den Punkt:

»Heute kreist ja alles um den Gegenwartspunkt. Die allermeisten Probleme resultieren daraus, dass uns Zukunft abhanden gekommen ist, dass wir keine Vorstellung von Zukunft haben. Zukunft ist nach meiner Überzeugung viel wichtiger für das, was Menschen denken und wie sie sich entscheiden, als die Vergangenheit. Lassen wir uns nicht länger vorbeten, dass man in die Vergangenheit blicken muss, um die Gegenwart bewältigen zu können. Mit guten Gründen nehmen wir die gegenteilige Perspektive ein. Gegenwart bestimmt sich aus der Zukunft.

Es ist ein „Selbstmissverständnis“, dass die Gegenwart unser einziger Bezugspunkt ist. Das hält uns nur in einer Diktatur der Gegenwart. Wir sind im Konsumismus gefangen. Das hält Menschen davon ab, das zu tun, was Leute seit 2 000 Jahren gemacht haben – nämlich an den nächsten Tag zu denken, an die nächste Generation.«

~ Harald Welzer, Demeter Journal, Herbst 2015

Leben aus der Zukunft

Die Alternative: Du lebst aus der Zukunft. Ich beziehe es auf zwei Dimensionen.

  1. Leben, als wärst du bereits der, der du gerne sein möchtest.
  2. Leben, dass dein Leben nicht die Zukunft anderer zerstört.

Leben, als wärst du bereits der, der du gerne sein möchtest. Frage dich nicht, wer du bist, sondern frage dich, wer du sein möchtest. Nimm den Menschen, der du heute bist aus ganzem Herzen an. Liebe dich – für all dein sein. Es gibt keinen Teil von dir, der deine Liebe nicht verdient.

Söhne dich aus, mit dem, was war. Es ist ein Teil von dir. Lerne daraus, verändere dich, übe täglich. Mache es in Zukunft so, wie du es damals gerne gemacht hättest. Wachse, entfalte dein Potenzial.

Potenzial als die Differenz zwischen dem, was du warst, und dem, der du sein möchtest. Was war als Basis des Potentials, die Erkenntnis als der Potenzialraum, die Zukunft als Ziel.

Leben, dass dein Leben nicht die Zukunft anderer zerstört. Eine schwierige Aufgabe und ein komplexes Thema. Es beginnt damit, dass du jeden Tropfen Öl unwiderruflich verbrauchst. Es braucht Millionen von Jahren, bis diese Energieform wieder entsteht.

Doch du kannst dich bei deinem Tun jederzeit fragen, ob es andere Möglichkeiten des Tuns gibt – oder ob dieses Tun wirklich erforderlich ist. Alleine der achtsame, reflektive Umgang mit deinem Tun, wird die Zukunft anderer verbessern.

 

Was tun mit meiner Vergangenheit

Was war, gerade meine Schattenseiten, sind Voraussetzung für dein Potenzial. Ohne Schatten erkennst du deine Stärken nicht, erkennst du deinen Bedarf nicht. Du bist verantwortlich für alles, was du tust und was du unterläßt. Diese Verantwortung bleibt. Gleichzeitig kannst du nur die Gegenwart gestalten, um eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

»Im Leben zurück zu schauen, hat noch keinen nach vorne gebracht!«

Zwei Autoren beschreiben es auf ihre Weise.

»Ziel eines sinnvollen Lebens ist,
den Ruf der inneren Stimme zu hören
 und ihm zu folgen.

Der Weg wäre also,
sich selbst erkennen,
aber nicht über sich richten wollen,
sondern das Leben möglichst der Gestalt anzunähern,
die als Ahnung in uns vorgezeichnet ist.«

»Was vor uns liegt und was hinter uns liegt,
sind Kleinigkeiten im Vergleich zu dem,
was in uns liegt.«

Achte auf dein Umfeld

Letzterer weist auf einen wichtigen Umstand hin, der dir bei der Entfaltung deines Potentials hilft.

»Wessen wir am meisten im Leben bedürfen,
ist jemand,
der uns dazu bringt, das zu sein, wozu wir fähig sind.«

~ Ralph Waldo Emerson

Natürlich spürst du Verletzungen aus deiner Vergangenheit, Narben aus deinem Lebensweg. Bleibe nicht stehen, gehe einen Schritt weiter.

»Du musst singen, als hättest du die Gage nicht nötig,
lieben, als würdest du nie verletzt werden,
tanzen, als würde niemand dir zuschauen.

Es kommt vom Herzen, wenn es gelingen soll.«

~ Susanna Wills Clark, Richard Leigh; Songtext

Du kennst die Steine, die deinen Weg beschwerlich machten und machen. Die du dir oder die andere dir in den Weg gelegt haben.

»Auch aus Steinen,
die einem in den Weg gelegt wurden,
kann man Schönes bauen.«

Nutze, was dir begegnet

Dir deiner Vergangenheit bewusst, achtsam im Augenblick, kannst du alles zu innerem Wachstum wandeln.

»Wenn du alles,
was dir begegnet,
als Möglichkeit zu innerem Wachstum ansiehst,
gewinnst du an innerer Stärke.«

~ Milarepa, tibetischer Meditationsmeister, 1052–1135

Leben, dass dein Leben nicht das zukünftige Leben anderer zerstört. Darauf weist Harald Welzer hin. Beachte bei allem, was du tust, nicht tust, kaufst, konsumierst, bei allem wofür du deine Zeit verschenkst, welche Folgen sich für dich und für andere ergeben – in der Gegenwart und in der Zukunft.

Zwei Dinge, um zu starten

Beim Einkauf könntest du mit zwei kleinen Dingen anfangen.

  1. Lese die Zutatenliste durch. Wenn etwas drauf steht, was du nicht kennst, kaufe es nicht.
  2. Frage dich, ob diese Verpackung wirklich notwendig ist und wie lange die Natur braucht, bis sie zersetzt ist. Wenn es das Produkt besser oder unverpackt gibt, dann kaufe diese Verpackung, dieses Produkt nicht (siehe hier für alternative Einkaufsmöglichkeiten).

 

Abschlussfrage

Lebst du aus der Vergangenheit, der Gegenwart oder aus der Zukunft? Und möchtest du so leben?

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