Träume sind eine Form von Gedanken. Träume sind mächtige Gedanken. Träume sind Vorstellungs-KRAFT. Gleichzeitig sind Träume ohne Taten wie ein Auto ohne Kraftstoff. Doch was hält einen davon ab, seine Träume zu verwirklichen? Wie würde sich dein Leben verändern, wenn dein Traum Wirklichkeit werden würde?

Quintessenz
  • Entscheidungen haben einen wesentlichen Einfluss auf dein Leben
  • einen Traum zu verwirklichen bedarf den Mut, etwas zu verändern
  • oft leben wir (unbewusst) Strategien zur Vermeidung der Realisierung eines Traums
  • es gibt drei Risiken der Traumrealisierung
  • mindestens so wichtig wie der Traum – der Weg dorthin
  • zu viele Träume sind Teil unserer (Un-)Kultur
  • am Ende zählen nicht deine Träume, sondern deine Taten

Träume folgen deinen Entscheidungen

»Durch unsere Entscheidungen definieren wir uns selbst. Allein durch sie können wir unseren Worten und Träumen Leben und Bedeutung verleihen. Allein durch sie können wir aus dem, was wir sind, das machen, was wir sein wollen.«

Ich finde diese (leicht geänderte) Variante noch klarer und direkter:

»Durch deine Entscheidungen definierst du dich selbst. Allein durch sie kannst du deinen Worten und Träumen Leben und Bedeutung geben. Allein durch sie kannst du aus dem, der du bist, den machen, der du sein willst.«

Eine wunderschöne, kurze Beschreibung des Zusammenhangs von Worten und Träumen, Leben und Bedeutung. Die Entscheidung führt von den Gedanken in die Realität. Eine Entscheidung ohne Umsetzung ist keine Entscheidung, sondern verdurstende Worte und verkümmerte Träume.

»Mögen hätt‘ i scho woll’n,
nur dürf’n hob i mi net getraut.«

~ Karl Valentin

 

Ist es wirklich so einfach?

Ja, auf der einen Seite steht zu Beginn meist eine Entscheidung. Viel seltener erscheinen fliessende Übergänge, bei denen sich Träume von alleine realisieren. Auf einen sich selbst realisierenden Traum zu warten, ohne sich zu verändern, aktiv zu werden, zu gestalten – eine verbreitete Strategie in unserer Kultur.

Eine andere Strategie die Verwirklichung eines Traumes nicht anzugehen, stellt der Verweis auf externe Faktoren (die Umstände, die Mutter, der Vater, der Partner, die Kinder, der Job, das Geld, die Freunde, …) dar, die der Traumrealisierung im Wege stehen. Das entlastet den Träumenden vor einer Entscheidung und beschert ihm dennoch ein gutes Gefühl. Motto: „Ich würde ja, aber meine Verantwortung für …“. 100 % Selbstbetrug. Das bisschen innere Unzufriedenheit („Irgendwann werde ich …“) verstärkt diese Strategie und gibt dem eigenen Leben ein wenig Würze und Bedeutung.

Träume bergen Risiken

Träume als Orte einer lebenswerteren Zukunft machen mir Angst. Sie tragen ein hohes Risiko in sich. Dieses Risiko besteht aus mehreren Teilen.

Sich-Täuschen-Risiko

Als Erstes das Risiko des »Sich-Täuschens«. Wenn sich mein Traum erfüllt hat, könnte ich feststellen, dass es nicht mein Traum war. Oder dass meine Vorstellung viel schöner, besser und wünschenswerter war, als sich die Realität entfaltet. Dies bedeutet den falschen Traum, gehabt und gelebt zu haben. Es könnte bedeuten, sich nicht gut zu kennen, einem Phantom nachgejagt und seine wertvolle Lebensenergie damit verschwendet zu haben.

Zu-Scheitern-Risiko

Als Zweites besteht das Risiko des »Zu-Scheiterns«. Ich kann auf dem Weg zu meinem Traum scheitern und meinen Traum nicht realisieren. Das Schlimmste, ich muss mir eingestehen, dass ich nicht in der Lage bin oder war ihn zu realisieren.

Beide Risiken wirken auf mich zurück. Auf meine Komfortzone, wo ich es mir gemütlich eingerichtet habe. Hier steht alles an seinen Platz. Meine kleine Welt detailliert und polarisiert (gut/schlecht) eingerichtet. Eingerichtet bedeutet nicht automatisch, dass es mir gut darin geht, sondern nur, dass sie für mich lebbar, vorhersehbar und berechenbarer erscheint. Jemand kann in seiner Komfortzone leben und nach außen hin unzufrieden sein. Das ist kein Widerspruch.

Und-Jetzt-Risiko

Als drittes Risiko kenne ich das »Und-Jetzt«. Mein Traum ist realisiert – und jetzt? Oft nimmt die Realisierung eines Traumes einen großen Teil der Lebensenergie. Was tun mit der Energie, wenn sie nicht mehr gebraucht wird. Die Frage nach dem weiteren Weg, begleitet von der Frage nach dem Sinn. Es könnte eine Leere entstehen, die Angst verbreitet.
Träume kratzen an der Komfortzone, an dem »so-bin-ich«. Sie fordern mich heraus »so-könnte-ich-sein«. Sie laden ein, Neuland zu entdecken, sich zu verändern und seine Grenzen zu spüren.

Der Weg entscheidet

Neben den Risiken gibt es einen Aspekt, der gleichzeitig für mich eine Lösung für die Risiken darstellt.

Nicht den Traum anstreben, nicht das Ziel erreichen wollen, sondern den Weg zum Traum gestalten. Sich Träume bildlich vorzustellen, sich auszumalen, wie es dort wäre, wird oft zur Unterstützung zur Realisierung empfohlen. Dabei alle Sinne ansprechen (was höre ich dort, wer sagt was, wie riecht es, welche Gefühle habe ich, …), gilt als ein Erfolgsfaktor. Ich halte dies für gut und wichtig.

Vorteile des Weges

Gleichzeitig möchte ich mehr Achtsamkeit auf den Weg legen. Auf jeden einzelnen Tag zu meinem Traum hin. Mich mehr mit dem Weg und mir auf dem Weg zu beschäftigen birgt den Vorteil, dass ich für Alternativen offenbleibe. Ich nehme Dinge links und rechts des Weges wahr, die sonst keine Relevanz für mich hätten.

Der Weg bringt täglich kleine Erfolgserlebnisse und glückliche Augenblicke. Rückschläge bringen mich nicht vom Weg ab, sondern können einen neuen Weg darstellen. Kleine und wichtige Signale auf meinem Weg.

Er vermindert die Gefahr, einem festen Zielbild dogmatisch nachzujagen. Im Gegenteil: Der Weg prägt mein Sein, meine Haltung und Einstellung täglich mehrfach und verändert mich. Ich erreiche mein Ziel leichter und dessen Erreichung stellt bereits ein Teil des Weges dar.

Einer der seinen Traum umsetzen wollte, war Martin Luther King.

 

Du weißt nicht, was dein Traum wäre

Deine Träume hast Du lange nicht beachtet, es fällt dir schwer deinen Traum zu erkennen und zu beschreiben? Seinen eigenen Traum nicht zu kennen, oder seinen Traum verloren zu haben, dazu ein Sprichwort aus Australien.

»Wer seine Träume verliert, ist verloren.«

~ Aborigines

Steven Spielberg erklärt in diesem Video einen Weg, seine Träume wahrzunehmen. Hinhören, auf die leisen Stimmen achten. Träume schreien nicht, sie flüstern. Achte jeden Augenblick auf das Flüstern, was dein Herz berührt.

 

Du hast so viele Träume

Du würdest dich auf den Weg zur Verwirklichung eines Traumes machen, hast jedoch viele Träume, dass du nicht weißt welchen du angehen sollst?

Bjung-Chul Hun beschreibt unsere Kultur treffend, was sich wunderbar auf die Vielzahl an Träumen übertragen lässt. Er beschreibt den Unterschied zwischen Erfüllung und Fülle. Deine Fülle an Träumen wird die nicht erfüllen, sie sind eine weitere Strategie zur Vermeidung einer Traumrealisierung.

»Es ist ein Irrtum zu glauben, daß die Beschleunigung des Lebensprozesses heute auf die Angst vor dem Tod zurückzuführen sei.

Argumentiert wird etwa so: »Beschleunigung, so hat sich gezeigt, stellt eine naheliegende Antwortstrategie auf das Problem der beschränkten Lebenszeit bzw. das Auseinanderfallen von Weltzeit und Lebenszeit in einer säkularen Kultur dar, für welche die maximale Auskostung von Weltoptionen und die optimale Entfaltung eigener Anlagen – und damit das Ideal des erfüllten Lebens – zum Paradigma gelingenden Lebens geworden ist.

Wer doppelt so schnell lebt, kann doppelt so viele Weltmöglichkeiten realisieren und damit gleichsam zwei Leben in einem führen; wer unendlich schnell wird, nähert seine Lebenszeit dem potenziell unbeschränkten Horizont der Weltzeit bzw. der Weltmöglichkeiten insofern wieder an, als er eine Vielzahl von Lebensmöglichkeiten in einer einzigen irdischen Lebensspanne zu verwirklichen vermag und daher der Tod als Optionenvernichter nicht mehr zu fürchten braucht«.

Wer doppelt so schnell lebt, kann doppelt so viele Lebensoptionen auskosten. Die Beschleunigung des Lebens vereinfacht es und nähert es dadurch dem Ziel eines erfüllten Lebens an. Dieses Kalkül ist aber naiv. Es beruht auf einer Verwechslung der Erfüllung mit bloßer Fülle. Das erfüllte Leben läßt sich nicht mengentheoretisch erklären. Es resultiert nicht aus der Fülle von Lebensmöglichkeiten. Auch die Erzählung ergibt sich nicht automatisch aus dem bloßen Zählen oder Aufzählen von Ereignnisen. Sie setzt vielmehr besondere Synthese veraus, der sich der Sinn verdankt. Eine lange Aufzählung von Ereignissen ergibt keine spannende Erzählung. Eine sehr kurze Erzählung kann dagegen eine hohe narrative Spannung entfalten. So kann auch ein sehr kurzes Leben das Ideal eines erfüllten Lebens erreichen.

Diese Beschleunigungsthese erkennt nicht das eigentliche Problem, daß dem Leben heute die Möglichkeit abhanden gekommen ist, sich sinnvoll abzuschließen. Gerade darauf gehen Hektik und Nervosität zurück, die das Leben heute kennzeichnen. Man fängt ständig neu an, man zappt sich durch Lebensmöglichkeiten, gerade weil man nicht mehr vermag, die eine Möglichkeit abzuschließen.

Keine Geschichte, keine sinngebende Ganzheit erfüllt das Leben. Die Rede von der Beschleunigung des Lebens für dessen Maximierung ist irreführend. Beim genaueren Hinsehen enthüllt sich die Beschleunigung als eine nervöse Unruhe, die das Leben gleichsam schwirren läßt von einer Möglichkeit zur anderen. Es kommt nie zur Ruhe, d. h. zum Abschluß.«

~ Bjung-Chul Han

 

Wie reduziere ich meine vielen Träume?

Dies ist so leicht wie schwierig. Leicht, weil du nichts brauchst als „Stille“. Nimm dir Zeit für dich. Ohne Radio, Mobiltelefon, Fernseher, Internet, Klingel …

Schreib alle deine Träume auf ein Blatt Papier. Nummeriere sie von 1 an durch. Schneide jeden einzelnen Traum aus (oder schreibe jeden auf ein extra Blatt Papier).
Frage dich zu jedem Traum, wie du, dessen Nichterfüllung in 10 Jahren beurteilen würdest. Als Antwort gibt es:

  • Box A: Wäre nicht schlimm.
  • Box B: Weiß nicht so recht.
  • Box C: Würde mir wehtun, mir würde etwas fehlen.

Am Ende hast du jeden deiner Träume einer Box zugewiesen. Die Träume in Box A und B kannst du vernachlässigen, sie lenken dich nur ab.

Bilde mit den Träumen in Box C eine Rangfolge. Höre nicht auf deinen Kopf, sondern auf deine Intuition, auf deinen Bauch. Als Anregung eine kleine Frage zur Unterstützung: Welcher Traum soll dein Leben prägen?

Eine kleine Impression von Robin Williams.

Schwierig, weil „Stille“ für manche Menschen das unheimlichste und vermeidenswerteste ihrer Existenz ist. Tobias Hürtler beschreibt es in seinem Artikel in der Zeit, dass manche Menschen sich selbst lieber Schmerzen zufügen, als die Stille zu erleben.

 

Die Realität als Teil des Traumes

Vielleicht gilt auf dem Weg zur Traumerfüllung folgendes Motto »Sei heute, der du sein willst« (statt: »Wer bin ich wirklich?«). Das erleichtert den Alltag, da ich die Realität nicht mehr als etwas bewerte, was meinem Traum im Wege steht, sondern was mich zu meinem Traum hinführt. Ja, als ein wichtiges Element auf meinen Weg zu meinem Traum.

Abschlussfrage

Die Frage »Was für Träume trägst du in dir?« braucht die Nebenfrage »Wie möchtest du dich verändern, um deinen Traum zu verwirklichen?«.

Opt In Image
Erhalte das monatliche Update

Möchtest Du einmal im Monat die aktuellen Beiträge von GeDankeN? Dann trage Deine Email-Adresse hier ein.

 

There are currently no comments.