Viele sind mit ihren Gedanken in der Vergangenheit oder in der Zukunft – nicht im Augenblick. Es ist paradox, das einzige was du gestalten, leben, beeinflussen kannst, ist der Augenblick. Warum nutzen wir unsere Energie nicht, um im Augenblick zu sein?

Unsere Gedanken drehen sich um den geplanten Urlaub (Zukunft), um die verpassten Chancen (Vergangenheit), um die Auseinandersetzung mit unserem Partner (Vergangenheit) oder um die Erfüllung eines Traumes (Zukunft). Verstecktere Formen sind die Beschäftigung mit unseren Erwartungen (Zukunft), die ständige Erreichbarkeit per Handy (Zukunft), das Reden mit Freunden über vergangene Zeiten, du ärgerst dich über die unfreundliche Bedienung im Restaurant (Vergangenheit), du ärgerst dich, dass du zu spät zum Termin kommen wird (Zukunft), die Zeit zwischen zwei Terminen (Zwischen-Raum) erlebst du notwendiges Übel, als Hindernis, als Sinn-Los (Vergangenheit-Zukunft) …

Es scheint fast so, als dass es eine Art ›Flucht vor dem Augenblick‹ gibt. Wir lenken uns und unsere Gedanken vom Augenblick weg. Wir lenken unsere Aufmerksamkeit weg von uns selbst. Wir beschäftigen uns mit anderen Personen, anderen Dingen.

Dir ist der Augenblick – das Einzige was du wirklich erleben kannst – nicht gut genug! Damit bist du dir selbst nicht gut genug. Du flüchtest vor dir selbst. Eine sinnlose Flucht, die in Unzufriedenheit, Unruhe, Rastlosigkeit, Nervosität, Angst und innerer Leere endet.

Alternativ könnte dein Motto wie folgt sein:

»Es darf sein, wie es ist.«

Beginnen ist leicht. Du stehst, sitzt oder liegst (oder hast eine andere Körperhaltung) und beobachtest.

  • Wo bist du gerade?
  • Was siehst du?
  • Wie atmest du?
  • Was verbindet deinen Körper mit dem Boden?
  • Welche Gefühle nimmst du in dir wahr?
  • Was passiert, wenn du die Augen schließt?
  • Wie fühlst du dich gerade?

Keine Bewertungen („oh nein, jetzt schweife ich schon wieder in die Zukunft“), keine Erwartungen („warum schaffe ich dies nicht“), keine Vergleiche („gestern ging es deutlich besser“).

Du erkennst an, was ist, wie es ist. Alles darf im Augenblick sein, wie es ist (es ist ohnehin da, dann kannst du es auch wahr nehmen).

Ein weiterer Schritt könnte ein gemächliches Gehen, ein Flanieren, ein achtsames Bewegen sein. Keine Gehmeditation, sondern eine bewusste Bewegungen im Augenblick.

Nun beginnst du den Augenblick wahr zu nehmen, der erlebst mehr Zeit, du gestaltest deine Zeit, du schaffst Übergänge, Rhythmus und Wahrnehmungen. Du erlangst Tiefe und Zufriedenheit.

Wenn dir der Augenblick genug ist, verliert die Vergangenheit an Bedeutung und die Zukunft entfaltet sich aus dir heraus.

P.S.:
Ein wundervolles Buch zu diesem Thema ist: Byung-Chul Han, ‚Duft der Zeit‘ Ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens. Bielefeld (2009). Verschieden Impulse zu diesem Beitrag kamen aus seinen Worten.

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