Wenn Menschen etwas erschaffen wollen, was sie alleine nicht können, so tun sie sich zusammen, sie organisieren sich. Seit der industriellen Revolution gibt es dies verstärkt im wirtschaftlichen Umfeld, wir nennen dies ein Unternehmen, eine Organisation. Doch was ist eine Organisation? Wie organisieren sich die Menschen, damit das entsprechende Ziel erreicht wird? Welches Menschenbild liegt hinter dieser Organisation?

Bei Organisation denkst du vielleicht an ein Unternehmen, mit einer Hierarchie, klaren Aufgabenbereichen und klaren Verantwortlichkeiten, an Stellenbeschreibungen, an Finanzpläne, an Strategiepapiere … Du denkst bestimmt auch an Chefs und Mitarbeiter, an Arbeitgeber und Arbeitnehmer, an Lieferanten und Kunden, an Gewinn und Verlust. Ziel könnte es sein, Produkte auf dem Markt anzubieten, die von ausreichend Kunden zu einem gewinnbringenden Preis gekauft werden.

Die Organisation braucht Mitarbeiter, weil viele Tätigkeiten erforderlich sind (und diese „noch“ nicht von Maschinen, Computern, Robotern übernommen werden können). Hierarchie braucht die Organisation, damit diese vielen Menschen in eine Richtung gehen, abgestimmt handeln und möglichst effizient sind. Motto: ›Wenn jeder tut, was er tun sollte, wäre schon viel gewonnen‹. Vorschriften, Disziplin, Kontrolle und Konsequenzen bestimmen den Alltag. Informationen sind ein Machtinstrument. Emotionen und private Angelegenheiten sollen die Mitarbeiter nicht auf der Arbeit austragen, dafür gibt es ein Privatleben. Der Mensch als Erfüllungsgehilfe, Mit-Arbeiter ohne Emotion und Seele.

Erkennst du deine Organisation in der Beschreibung? Und wie sieht dies in der Praxis meistens aus?

Wheatley (Quantensprung der Führungskunst, S. 76) beschreibt dies so:
»Eine solche Vorstellung von Organisationen liegt ganz in der Newtonschen Tradition. Einzelne Teile wandern ziellos umher, fliegen in unerwartete Richtungen, stoßen zusammen oder meiden einander. Hier handelt es sich um eine Art organisatorischer Anarchie, bei der nur hin und wieder zufällig etwas Sinnvolles geschieht.«

Die Form von Organisation freut die Unternehmens- und Organisationsberater. Denn diese Form schafft sich automatisch ihre Probleme, die vielfältig und unendlich sind. Die Folge für die Berater ist, dass die Probleme integraler Bestandteil dieser Organisation sind – und somit immer genügend Beratungsbedarf vorhanden ist, der durch die Organisationsform nicht aus eigener Kraft bewältigt werden kann.

Einen anderen Ansatz von Organisation beschreiben Cohen, March und Olsen (‚A Garage can model of organizational choice‘, S. 1)
»Recent studies of universities, a familiar form of organized anarchy, suggest that such organizations can be viewed for some purposes as collections of choices looking for problems, issues and feelings looking for decision situations in which they might be aired, solutions looking for issues to which they might be an answer, and decision makers looking for work. « 

Die Kernpunkte für die Beschreibung dieser Organisationsform sind …

  • eine Sammlung von Lösungsmöglichkeiten, die nach Problemen suchen
  • eine Sammlung von Meinungen und Gefühlen, die nach Entscheidungssituationen warten, in denen diese geäußert werden können
  • eine Sammlung von Antworten, die nach Fragen suchen
  • eine Sammlung von Entscheidungswilligen, die nach Aufgaben suchen

Wundervoll, eine Organisation als Raum voller Möglichkeiten, Chancen, Entfaltungsoptionen. Der Mensch als Mittelpunkt, als Mensch mit all seinen Eigenschaften. Eine Organisationsform, die Freiraum gibt, Freiraum für die Menschen ihren Platz zu finden, ihren Sinn zu entdecken, gemeinsam etwas zu erschaffen, wobei sie ein Teil davon sein können. Es ist ein positives Menschenbild, das Freude ausstrahlt, Kräfte wecken kann und Kreativität fördert.

Menschen lernen sich selbst zu organisieren, selbst neue Wege zu entdecken und Beziehung einzugehen. Sie erweitern ihre Fähigkeiten, gewinnen Vertrauen und Verbündete. Sie verbindet eine gemeinsame Vision, Werte und ein klarer Bezugsrahmen ihres Handelns. Informationen werden geteilt und bereichern die Handlungskompetenz der Organisation.

In welcher Organisation würdest du lieber arbeiten, in der traditionellen oder in der von Cohen, March und Olsen?

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