Bedürfnisse haben wir alle. Schlafen, Essen, Trinken, Kleidung, Geld, … Kaum erfüllen wir ein Bedürfnis, da taucht das nächste Bedürfnis vor unserem geistigen Auge auf. Auf den ersten Blick klingt es verwegen, doch im Prinzip haben wir unendliche Bedürfnisse. Das neueste iPhone ist nicht mehr gut genug, wenn die neue Version verfügbar ist. Das neue Auto nicht mehr passend, wenn der Nachbar ein größeres fährt. Der Computer nicht schnell genug, sobald ein neuer Prozessor verfügbar ist.

›Ein Bedürfnis ist das Verlangen oder der Wunsch, einem empfundenen oder tatsächlichen Mangel Abhilfe zu schaffen.‹ So definiert es Wikipedia. Ein Problem sind unendliche Bedürfnisse in mehrfacher Weise.

Endliche Lebenszeit

»Ein Wesen mit endlicher Lebenszeit hat unendliche Wünsche. Es lebt in einer Welt, die keine Grenzen des ihm Möglichen vorzuzeichnen scheint, ausgenommen die eine, dass es sterben muss.«

Hans Blumenberg

In einem endlichen Leben unendliche Bedürfnisse zu erfüllen ist unmöglich. Selbst in einem unendlichen Leben wäre es eine wortwörtliche Lebens-Aufgabe. Ein sinnloses unterfangen, welches die Aufgabe des Lebens an sich zur Folge hätte. Du würdest dein Leben der Bedürfnisbefriedigung opfern.

So unsicher das Leben sein mag, das es ein Ende hat ist sicher. Du machst dich bei unendlichen Bedürfnissen und endlicher Lebenszeit systematisch unglücklich. Unabhängig davon, welche Bedürfnisse du dir erfüllst, es kommen sofort neue Bedürfnisse nach. Der nächste Urlaub sollte noch exotischer sein, der nächste Job muss mehr Geld bringen, die nächste Woche bringt hoffentlich besseres Wetter, die nächste Email von einem Freund könnte schneller kommen. Kannst du so zufrieden sein? Zufrieden mit dem was ist? Mit dem, was du hast? Mit dem, wer du bist?

Endliche Ressourcen

Wenn alle Menschen, über 7 Milliarden, unendliche Bedürfnisse haben, wir jedoch auf einem Planeten Leben, der endliche Ressourcen hat, dann endet böse. OK, wir haben Glück. Nur die „westlichen“ Staaten erfüllen ihre Bedürfnisse zügellos. Erfüllt wird, was möglich ist. Bleibt zu hoffen, dass die nicht „westlichen“ Staaten sich mehr in Bescheidenheit üben. Wenn diese so leben würden wir, so all ihren Bedürfnissen hemmungs- und gewissenlos fröhnen, kommt das Ende noch schneller.

Endliche Beschleunigung

Bedürfnisbefriedigung setzt Verfügbarkeit voraus. Verfügbarkeit von Produkten, von Informationen und von Menschen. Durch das Telefon bis zum Smartphone sind Menschen fast an jedem Ort auf Knopfdruck verfügbar. Informationen sind durch das Internet (in Lichtgeschwindigkeit, schneller geht nicht) ebenso Tag und Nacht abrufbar. Produkte sind zur Zeit noch unflexibel, müssen transportiert werden. 3D-Drucker könnten jedoch in absehbarer Zukunft die Lösung bringen. Jedes Produkt überall verfügbar.

Als Folge davon können wir zwar die Bedürfnisbefriedigungsrate erhöhen. Wir können mit mehr Menschen in kürzeren Abständen Kontakt haben. Die Anzahl der Kontakte steigt, die Qualität der Kontakte sind. Begegnung braucht Beziehung – Beziehung braucht Zeit. Diese sinkt mit einer hohen Kommunikationsrate. Wir kennen viele Menschen, können so viele Kontakte jederzeit pflegen, fühlen uns doch innerlich leer und allein.

Die Zeitverdichtung, die Vergleichzeitigung drückt uns noch stärker in die Befriedigungsfalle. In der Hoffnung mehr Bedürfnisse zu befriedigen, konsumieren wir immer schneller Produkte, Informationen und Menschen und fühlen uns dadurch noch unerfüllter. Worauf hin wir noch mehr konsumieren. Noch mehr vom Gleichen. Jede freie Sekunde am Smartphone die neusten Einträge auf Facebook prüfen vernichtet jede Gedanken-Pause, jedes Inne halten, jede Veränderung der eigenen Zeitwahrnehmung. Der eigene Rhythmus ist ein schnelles Schlagen, Rattern.

In der Musik kannte Mozart noch 23 Tempi zwischen langsam und schnell. Wir kennen nur noch tack-tack-tack. Wir ertrinken im Rausch der Gleichartigkeit.

Endliche Konsummöglichkeiten – unendliche Bedürfnisse

Die Konsummöglichkeiten steigen (Informationen, Menschen). Doch die Konsummöglichkeiten sind beschränkt. Unendlicher Geldsegen kennt nicht jeder von uns. Selbst, die über fast unbegrenzte Geldvorräte verfügen, haben nur 24 Stunden am Tag. Bei unendlichen Möglichkeiten, begrenzter Konsummöglichkeiten ist die Lösung so einfach wie herausfordernd.

Du entscheidest für dich, was dir wirklich wichtig ist. Prioritäten setzen, deine Prioritäten. Die vermeintliche einfache Frage: ›Was brauche ich zum Leben?‹

  • Welche Güter brauche ich wirklich?
  • Welche Kleidung trage ich wirklich?
  • Welche Kontakte zu anderen Menschen bereichern mich wirklich?
  • Welche Bücher, Webinhalten will ich mir aneignen, welche nicht?
  • Welche Verpflichtungen bin ich wirklich bereit zu erfüllen?
  • Wie viel Geld brauche ich für MEIN Leben?
  • Wo bin ich bereit eine Grenze zu ziehen und NEIN zu sagen?
  • Wo fange ich mich an mich selbst zu verraten, mich zu verkaufen?
  • Was brauche ich wirklich zum Leben?

Dein Leben ist endlich. Karlheinz Geißler meint, wir sollten das Leben vom Tode her leben.

Abschlussfrage

Wenn du auf dein Leben zurück blickst, was wäre dieses Jahr für dich wirklich wichtig gewesen?

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