Mut wird überschätzt. Am bequemsten lebt es sich, wenn jeder den Erwartungen der anderen folgt. Am besten lebt der, bei dem diese Erwartungen nicht ausgesprochen werden müssen, der im vorauseilenden Gehorsam handelt. Falls dies nicht dein Lebensweg sein soll, lies weiter.

Dein Leben nach den Erwartungen anderen zu leben, vergeudet deine Lebensenergie. Du verschenkst die Möglichkeit dich selbst zu entdecken, deine eigenen Erfahrungen zu sammeln, selbst zu denken. Die Gesellschaft verarmt, da sie einen homogenen Brei an Menschen produziert, die keine Bereicherung, keinen Unterschied darstellen. Alle verlieren, das Leben verliert.

»Es gibt im Leben nichts wichtigeres als das Leben.«

Heini Staudinger

Heini Staudinger hat fünf Thesen für mutige formuliert, hier das Video dazu.

Seine fünf Thesen:
1. Auf die innere Stimme hören.
2. Die Naivität achten.
3. Fürchte dich nicht vor dem Alleinsein.
4. Erkenne, was dich gefangen hält (suche Punkte, die dich versklaven).
5. Spring bitte, mit der Kraft der Mitte.

Bevor du springst, erklingen die Warner, die Gut-Meiner, die Besser-Wisser, die Hör-auf-mich, die Ich-weiß-was-gut-für-dich-ist. Die Menschen, die die Verantwortung für dein Leben wahrnehmen oder übernehmen. Diese Rufer dringen in deinen Kopf ein, sie aktivieren tiefe Ängste. Die Rufer kennen dich, kennen deine schwachen Punkte.

Die Rufer kümmern sich nicht um dich, sie kümmern sich um ihr eigenes, kleines Weltbild. Welches du zerbrechlicher machst, wenn du springst. Es kümmert die Rufer nicht, wie es dir geht, sondern es kümmert sie nur, dass du in ihren Erwartungen bleibst. Notfalls bekommst du seelische, moralische, psychische Krücken. „Das kannst du deiner Mutter, den Kindern, mir nicht antun.“ oder „Du bist immer so egoistisch!“ oder „Wieso riskierst du unser Glück für so eine idiotische Idee!“ oder „Mach nur, du wirst schon sehen, was du davon hast. Komm nachher nicht zu mir, ich habe es dir gleich gesagt.“ oder „Das schafft du sowieso nicht. Wie früher, da hast du auch immer so viel vorgenommen – und du hast immer versagt!“

Bert Brecht beschreibt diese Krücken so:

»Sieben Jahre wollt kein Schritt mir glücken.
Als ich zu dem großen Arzte kam,
Fragte er: Wozu die Krücken?
Und ich sagte: Ich bin lahm.

Sagte er: das ist kein Wunder.
Sei so freundlich, zu probieren!
Was Dich lähmt, ist dieser Plunder.
Geh, fall, kriech auf allen Vieren!

Lachend wie ein Ungeheuer
Nahm er meine schönen Krücken,
Brach sie durch auf meinem Rücken,
Warf sie lachend in das Feuer.

Nun, ich bin kuriert: ich gehe.
Mich kurierte ein Gelächter.
Nur zuweilen, wenn ich Hölzer sehe,
Gehe ich für Stunden etwas schlechter.«

Bert Brecht, Die Krücken

Sie sperren dich in ihrer Welt ein. Vielleicht fühlst du dich so wie der Panther bei Rilke.

»Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.«

Rainer Maria Rilke, Der Panther

Die Rufer sind bereits zufrieden, wenn du beginnst zu zögern. Gerne kannst du jahrelang zögern, hadern, überlegen, die Argumente hin- und her wälzen. Du spielst ihr Spiel. Sie fühlen sich bestätigt, getreu dem Motto: „Wenn es dir wirklich wichtig wäre, hättest du es längst getan!“ Das sagen sie nicht beim ersten Mal, sondern viel später. Auch Buddha kannte dies.

»Als mir nun, Mönche, bei diesem ernsten, eifrigen, heißen Mühen
eine Erwägung des Entsagens aufstieg, sagte ich mir: ‚
Aufgestiegen ist mir da diese Erwägung des Entsagens;
und sie führt wahrlich nicht zu eigener Beschränkung,
nicht zu fremder Beschränkung, führt zu keines Beschränkung,
fördert die Weisheit, bringt keine Verstörung mit sich, führt zur Wahnerlöschung.

Ob ich sie nun, ihr Mönche, bei Nacht erwäge und überlege,
ob ich sie nun, ihr Mönche, bei Tag erwäge und überlege,
ich kann in ihr nichts Schreckliches finden: ob ich sie gleich, ihr Mönche,
Tag und Nacht erwäge und überlege,
ich kann in ihr nichts Schreckliches finden.

Aber gäbe ich mich dem Erwägen und Überlegen zu lange hin,
so würde mein Körper ermüden, bei müdem Körper das Herz matt werden,
und das matte Herz ist fern von der Selbstvertiefung.‘

Da faßte ich denn, ihr Mönche, mein Herz innig zusammen,
beruhigte es, einigte es, festigte es, und warum das?
Damit mein Herz nicht matt werde.«

Buddha, Majjhima Nikaya, mittlere Sammlung, 19. (II,9) Dvedhāvitakka Sutta, Zweierlei Erwägungen, Pali Version

Seinen eigenen Weg zu gehen, bedeutet die geteerten Straßen zu verlassen. Bedeutet unbequeme Wege gehen. Bedeutet manchmal alleine zu gehen. Bedeutet Widerständen zu überwinden. Dieser Weg, manchmal ein schwerlicher Weg, führt dich zu dir selbst.

Wenn dich selbst nicht finden willst, bleibe bei den Erwartunen anderer. Da weißt du wenigsten, dass die Straße geteert ist.

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