Ausgebrannt, Burn-out, Depression – viele kennen mindestens einen Menschen in ihrem Umfeld, der sich dies zuschreibt oder zuschrieb. Ein Grund könnte unsere Orientierung im ›Scheinen‹ sein. Unser Marketing-Charakter. Wir wollen uns allzeit gut verkaufen, in einem guten Lichte erscheinen.

Wer scheint fürchtet die Wirklichkeit

Dieses ›Scheinen‹ beschreibt Tschuang Tse wundervoll.

»Manche, die vorsichtig zu sein scheinen, neigen zu Exzessen; andere wirken überlegen, sind aber unfähig; wieder andere hältst Du für fügsam und unstet, tatsächlich aber besitzen sie einen klugen Geist; manche, die äußerlich hart wirken, sind im Kern weich; solche, die träge scheinen, mögen lebhaft sein.

Auch gibt es welche, die vorgeben, nach der Wahrheit zu suchen, als ob sie nach ihr dürsten, während sie sie in Wirklichkeit fürchten wie das Feuer.«

Tschuang Tse

Wer scheinen möchte, versteckt die dahinterliegende Wirklichkeit (das Sein). Er entfacht einen äußeren Lichterglanz und verheimlicht sein inneres Feuer. Durch sein Haben lenkt er von seinem Sein ab. Er lebt in einer Schein-Welt.

 

Scheinende haben keine Zeit

Zum Schein sagt Miyamoto Musashi, japanischer Ronin:

»Wer in einem bestimmten Bereich Meisterschaft erlangen will, versucht nicht, den anderen dabei schnell zu erscheinen.«

Miyamoto Musashi

Scheinende machen viele Dinge gleichzeitig, alles in der kürzest-möglichen Zeit. Belege, Zertifikate und Zeugnisse der Anerkennung sind wichtig. Äußerlich hoch dekoriert, innerlich leer – ohne Feuer des Lebens brennen sie langsam aus. Vielleicht ging es Benoît Violier (44 Jahre) so. Der französische Sternekoch war der Star der Szene. Zahllose Auszeichnungen, drei Michelin-Sterne, seine Küche als „Tempel der Gastronomie“ bezeichnet, von „La Liste“ vor kurzem als „Bestes Restaurant der Welt“ geehrt, auf dem Höhepunkt seines Lebens im Februar 2016 erschoss er sich.

Typische Merkmale von Scheinenden sind

  • keine Zeit haben
  • zu viele Aufgaben auf einmal erledigen
  • immer erreichbar sein wollen
  • glauben, unersetzlich zu sein
  • unaufgefordert (mehr oder weniger eloquent) seine großen Taten darstellen, beschreiben
  • darüber klagen, dass ›man‹ so gerne mehr Zeit für seine wichtigen Themen hätte, doch ›man‹ ist so beschäftigt …

 

Entfache dein inneres Feuer

Dein inneres Feuer beginnt zu brennen, wenn du schwer krank wirst, plötzlich aus deinem Hamsterrad geworfen wirst. Du feststellst, dass die Welt sich ohne dich weiter dreht. Dein Umfeld es bedauert und dich auffordert mehr auf dich zu achten.

Dann beginnen Fragen in deinem Kopf Form anzunehmen.

  • Wer bin ich wirklich?
  • Wer will ich sein?
  • Was ist mir wirklich wichtig im Leben?
  • Warum tue ich dies alles?
  • Welche Beziehungen im Leben sind mir wirklich wichtig?
  • Wofür gebe ich meine Zeit, meine Lebensenergie?
  • Wofür brannte mein inneres Feuer früher?
  • Wofür soll mein inneres Feuer in Zukunft brennen?
  • Was sind meine konkreten nächsten Schritte, um mein inneres Feuer zu entfachen?

 

Beginne mit Singletasking

Aus meiner Sicht gibt es eine Voraussetzung für inneres Feuer: Singletasking. Tue eine Sache nach der anderen. Nacheinander, nicht gleichzeitig. Werde dir deines Tuns bewusst. Werde dir deines Atmens bewusst. Spüre die Tasse an deinen Lippen. Schenke deinen Kaffee, Tee bewusst ein. Atme die frische Luft bewusst ein. Nehme dein Gegenüber wahr, erkenne dich in ihm.

Die Wahl liegt bei dir. Wenn dein inneres Feuer brennt, brauchst du den Schein des äußeren Feuers nicht. Wenn du innerlich nicht brennst, verbrennst du dich am äußeren Schein.

Abschlussfrage

Welches Feuer brennt bei dir? Das innere Feuer oder das Feuer des äußeren Scheins? Wie geht es dir mit diesem Feuer?

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