Diese Frage soll keine Beleidigung sein. Der Duden definiert einen Taugenichts mit: ›nichtsnutziger Mensch‹. Harte Worte, ein Mensch, der zu nichts nutze ist. Ein Mensch, der keinen Nutzen stiftet, der keinen Beitrag leistet. Noch genauer, ein Mensch, der den Beitrag, den Andere von ihm erwarten, nicht leistet. Und ich frage dich, ob du ein Taugenichts bist?

Joseph von Eichendorf stellt einen Taugenichts in seinem Roman ‚Aus dem Leben eines Taugenichts‘ vor. Auf Wikipedia steht zu dem Taugenichts:
„… einerseits die Romantiker und (Lebens-)Künstler, die optimistisch und mutig in die Zukunft blicken und das Leben wander- und abenteuerlustig auf sich zukommen lassen. Sie streben nach Individualität und Freiheit und distanzieren sich von den vorgegebenen Verhaltensmustern der arbeitenden bürgerlichen Gesellschaft.“

In unserer Gesellschaft ist ein Taugenichts jemand, der nicht arbeitet. Arbeiten ist bei uns das oberste moralische Gebot. Jemand darf an Gott zweifeln, an dem Staatswesen, an seinem Partner, an der Liebe seiner Eltern, an seinem Leben, das alles ist erlaubt – doch Zweifel an der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit der Arbeit sind tabu! Es gibt sogar einen Feiertag für die Arbeit – den »Tag der Arbeit« am 1. Mai.

Ein wesentliches Merkmal des Verhaltensmusters der arbeitenden Gesellschaft ist die Geschwindigkeit des Lebens. Herrlich durch diesen Spruch ausgedrückt: »Wer rastet, der rostet.«

Verweilen, einfach Sein, sinnlos flanieren, vagabundieren wird – im positivsten Fall – mit Stillstand gleich gesetzt. In einer Wirtschaftsform, die das Wirtschaftswachstum braucht, ist Stillstand eine Katastrophe. Wer verweilt, der konsumiert nicht. Wer einfach nur ist, der produziert nichts. Wer flaniert, der entzieht seine Arbeitskraft dem Markt. Wer vagabundiert, leistet keinen wirtschaftlichen Mehrwert für das Bruttosozialprodukt.

Die arbeitende Gesellschaft unterwirft alles im Leben der Veränderung, alles ist im Prozess, nichts hat Bestand. Nichts gibt Halt.

»Das Sein wird zum Prozeß defaktiziert.«

Byung-Chul Han

Arbeiten und konsumieren, diese zwei Tätigkeiten kennzeichnen den vorbildlichen Bürger (den Anti-Taugenichts). Mit Arbeit und Konsum ›vertreibt‹ er seine Lebens-Zeit. Getreu dem Motto: »Arbeit macht frei« und »Konsum macht glücklich«. Beides ist falsch. Es sind leere Versprechungen zur Manipulation – zur Lenkung der Massen.

Ein Taugenichts ist ein Produktions- und Konsumminimalist. Er ist individuell und liebt seine Freiheit, er lässt sich nicht von anderen vor deren Karren spannen.

Bedenken wir,

  • dass wir die Rohstoffe der Welt schneller verbrauchen, als diese nachwachsen.
  • dass wir die Welt schneller verpesten, als diese die Abgase, Abwässer verarbeitet.
  • dass wir durch den Konsum in der westlichen Welt die sozialen Strukturen in anderen Ländern zerstören. Bedenken wir dies (und es gäbe noch mehr Punkte aufzuführen),

dann brauchen wir mehr Taugenichtse.

Wir brauchen mehr Menschen, die sich nicht über ihre Arbeit oder ihren Konsum definieren. Menschen, die mutig den eigenen Weg gehen.

Ich weiß nicht, ob du ein Taugenichts bist oder nicht. Doch ich weiß, dass die Welt mehr Taugenichtse braucht. Wie wäre es mit einem Feiertag: „Tag des Taugenichts“?

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