„In einer zerfallenden Gesellschaft muss die Kunst, wenn sie wahrheitsgetreu ist, diesen Zerfall widerspiegeln. Und wenn sie nicht von ihrer sozialen Funktion abweichen will, hat Kunst die Aufgabe, die Welt als veränderungsfähig darzustellen und zu ihrer Veränderung beizutragen.“
Ernst Fischer

Die Frage »Was ist Kunst?« mag für lange Abende bestimmt sein. Die Frage nach der Aufgabe der Kunst beschreibt Ernst Fischer sehr treffend.

In der Praxis wird sich die Diskussion wohl auf die Frage konzentrieren, was ein Zerfall ist und was nicht.

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  • Hubertus Heidloff

    Kunst hat vor einem zeitlichen Hintergrund die Funktion des Informierens. Informieren steht in direkter Korrelation zu wahr und falsch. Nach Platon ist nur das wahr, was in höchstem Maße ist. Nur dieses wahr gibt es und führt zu unvergänglich und unveränderbar: Es bleibt immer gleich. Da sich in unserer Welt aber alles ändert (panta rhei – alles fließt), also der Zeit unterworfen ist, gibt es nichts Bleibendes. Alles wird irgendwann enden. Was bleibt ist nach Platon die Idee, ein Bild alles Seienden. Kunst ist demnach immer auch ein Abbild. Dieses Abbild lässt sich einordnen in eine reale Kunst und eine schöpferische Kunst. Während nun das Abbild als Idee ein festes Ist hat, wird Kunst im schöpferischen Sinn veränderbar und auslegbar sein. Wenn Kunst auslegbar ist, wird es nichts Bestehendes geben können. Kunst ist auf Veränderung ausgelegt. Zeit verändert Kunst und Kunst verändert Zeit. Kunst zeigt die Gegenwart, wie sie ist, liegt aber über der Gegenwart ausgebreitet wie eine Decke. Alles ist unter der Decke zu sehen, die Funktion der Kunst ist nicht nur darstellend und schöpferisch, sondern auch sozial und politisch. Damit wird deutlich, dass Kunst keine Wahrheit enthält, nicht nicht unwahr ist, aber eben auch wieder wahr. Kunst verändert, wertet, stellt dar und zeigt Utopien, Phantasien, wie sie in den Bildern von Hyronimus Bosch zu sehen sind.
    Kunst regt an und führt gleichzeitig. Kunst ist zeitlos und zeitlich gebunden.

    • Tom

      Guten Morgen,

      vielen Dank für Deine Worte. Sie klingen nach, rufen etwas stimmiges in mir hervor. „Zeit verändert Kunst und Kunst verändert Zeit“! Die Unterscheidung in reale und schöpferische Kunst bringt eine neue Sichtweise ein. Danke 🙂

      Viele Grüße

      Tom