Sprichst du gerne im Namen anderer?

Sprache ist etwas wundervolles, sprechen eine Kunst.

Sprechen als ein Akt der Selbstaussage wird immer seltener. Viele sprechen heute über fremde Informationen, aus einer dritten Perspektive.

Ein Beispiel für fremde Informationen aus der Perspektive Dritter:
“Viele Studien sagen aus, dass es für Arbeitslose besser wäre, wenn sie schnell wieder in Beschäftigung kommen, unabhängig vom Stundenlohn.”

oder
 
„Petra hat erzählt, dass Barbara schon wieder eine Diät abgebrochen hat. Barbara wird es wohl nie schaffen und unglücklich bleiben, wenn sie ihr Leben nicht grundlegend ändert!”
 

Die Kunst des Sprechens, im Sinne einer wirklichen Selbst-Aussage ist das Gegenteil davon. Du sprichst über eigene Informationen, aus deiner Perspektive.

Ein Beispiel für eigene Informationen aus meiner Perspektive:
“Wenn ich Obdachlose Menschen auf der Straße sehe, dann frage ich mich, wie wohl das Leben dieses Menschen verlaufen ist.”

oder

„Petra hat erzählt, Barbara hätte die Diät abgebrochen. Ich frage mich, wie es Barbara wohl geht und besuche sie morgen einfach!”

 

Sprechen hat sehr viel mit Verantwortung zu tun. Verantwortung für das eigene Denken und Handeln, Verantwortung für die Einnahme eines eigenen Standpunkts. Verantwortung für die Frage: Was tue ich und welche Wirkung habe ich?

Wenn du im Namen anderer sprichst, so übernimmst du die Verantwortung für andere – ohne die Verantwortung für dich wahrzunehmen. Du unterstellst Bedürfnisse, du gibst vor, Dinge aus fremden Blickwinkel sehen zu können. Dazu nutzt du Informationen, die du nicht selbst gewonnen hast, sondern aus dritten Quellen. Die Kombination von fremden Informationen für dritte Personen ist doppelt gefährlich. Zur Unwissenheit über den Sachverhalt, kommen die Annahmen über die Bedürfnisse anderer.

Anders gefragt: Welche Person kennt deine Bedürfnisse am besten, und welche Person hat die alle relevanten Informationen über dich? Höchst wahrscheinlich gibt es nur eine Person, das bist du selbst – keine Dritte. Und sich selbst zu kennen, und zu wissen welche Bedürfnisse ich habe – ist schon schwer genug.

Es verändert die Wahrnehmung, es verändert dein Umfeld, es verändert dein Leben, wenn du mehr über dich und deine Wahrnehmungen und deine Bedürfnisse sprichst.

Probiere es doch einmal aus :-)

Sei nicht entmutigt, wenn es nicht gleich klappt. Diese Praktik des Sprechens wird mit jeder Anwendung, mit jeder Wiederholung tiefer und führt zu neuen Erfahrungen.

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Was denkst du den ganzen Tag – und warum genau das?

Keine leichte Frage. Doch es geht um eine der wichtigsten Tätigkeiten, vielleicht sogar die wichtigste und häufigste Tätigkeit eines Menschen. Sein Denken, seine Gedanken, seine Aufmerksamkeit.

Die Einstellung zu deinem Denken kann eine ‘Täter-Einstellung’ – oder eine ‘Opfer-Einstellung’ sein:
Die Täter-Einstellung sagt, dass du dein Denken lenken kannst – du bist für dein Denken verantwortlich. Die Opfer-Einstellung geht davon aus, dass du dein Denken nur beobachten kannst – du bist ein Spielball deines Denkens, deiner Gedanken, die du nicht oder kaum beeinflussen kannst.

Ich weiß nicht, ob du eher Täter- oder Opfer-Typ bist – und wie es dir damit geht. Wenn du der Opfer-Typ bist und dir es gut damit geht, dann höre jetzt auf zu lesen. Bist du der Opfer-Typ und wärst gerne Täter oder bist du ein Täter-Typ und möchtest es vertiefen, dann lese weiter.

Zu Beginn trennen wir die drei Begriffe Denken, Gedanken und Aufmerksamkeit:

  • Gedanken: Die Wiederholung von Erfahrungen, Erinnerungen, Erwartungen (vergangenheits-orientiert)
  • Denken: Die bewusste Reflexion der Gegenwart, eine Beobachtung von dem was ist (gegenwarts-orientiert)
  • Aufmerksamkeit: Der Fokus deiner Gedanken, deines Denkens, also die Themen, mit denen du dich beschäftigst (themen-orientiert)

Mit der Aufmerksamkeit steuerst du deine Wahrnehmung. Wenn du dich mit einem Autokauf der Marke X beschäftigst, dann siehst du plötzlich überall diese Automarke. Wenn du vor kurzem Mutter/Vater geworden bist, siehst du auf einmal überall Babys, Kinderwägen. Deine Aufmerksamkeit hat einen klaren Fokus, sie steuert deine Wahrnehmung.

In der Opfer-Rolle bist du getrieben von deiner Umwelt, sie gibt dir deine Themen, deinen Fokus für deine Aufmerksamkeit vor. Deine Frau erläutert dir immer wieder, was noch für „euer“ Glück fehlt. Dein Chef macht dir schon länger klar, wo deine Defizite liegen … Du nimmst deren Themen auf und machst sie zu deinem Fokus.

Der erste Schritt aus der Opfer-Rolle ist deshalb die Aufmerksamkeit, deine Aufmerksamkeit. Womit beschäftigst du dich den ganzen Tag, welche Themen sind in deinem Kopf präsent? Kennst du die Themen? Schreibe deine Themen mal zwei bis drei Tage auf, mache deine Themen für dich transparent. Du kannst gute Freunde fragen, welchen Fokus sie bei dir wahrnehmen. Du wirst erstaunt sein, mit was du dich alles beschäftigst.

Du kannst dich folgendes Fragen:

  • Warum hast du deine Aufmerksamkeit auf den bisherigen Themen – welchen Nutzen hattest du davon?
  • Wer hat deine Aufmerksamkeit auf diese Themen gelenkt – waren es deine Themen?
  • Was blendest du aus deiner Aufmerksamkeit aus (blinde Flecken)?

Jetzt kannst du dich fragen, ob das die Themen sind – mit denen du dich beschäftigen willst? Sind es Themen, die dir am Herzen liegen, die wichtig für dich sind, die dir „gut“ tun? Oder ziehen sie dich runter, orientieren sie sich an dem was war – an dem was ist – oder an dem was sein könnte – an dem was anderen wichtig ist?

Dann kommst du zum zweiten Schritt: Du prüfst, ob du bei diesen Themen eher ‘denkst’ oder eher ‘Gedanken’ hast. Wenn du denkst, dann beschäftigst du dich mit dem was ist, du beobachtest mehr und entwirfst Bilder für die Zukunft. Bist du eher in Gedanken, so haftest du an der Vergangenheit, deine Gedanken blicken zurück, du gleichst die Gegenwart mit deinen Erwartungen ab, du bewertest das Jetzt auf Basis deiner konstruierten Erinnerungen – anders ausgedrückt: Du fährst mit dem Rückspiegel nach vorne.

Mögliche Fragen:

  • Warum hat die Vergangenheit einen so großen Einfluss auf dieses Thema?
  • Was wünsche ich mir zu diesem Thema für die Zukunft?
  • Wer könnte mich unterstützen, damit ich die Zukunft so gestalten kann?

Nun bist du dir deiner Themen bewusst, mit denen du dich beschäftigst – du bist dir klar darüber, ob du alte Gedanken wiederkäust oder ob du wirklich denkst.

Dies ist der Punkt, an dem du von Gedanken zum Denken kommen kannst. Du lenkst deine Aufmerksamkeit – du bist nicht mehr das Opfer – du bist der Täter, du übernimmst die Verantwortung für dein Denken.

Jetzt kannst du dir neue Möglichkeiten, neue Erkenntnisse, neue Realitäten erschaffen!

Fritz Simon (Gemeinsam Sind Wir Blöd?!, S. 13) schreibt so schön über die Aufmerksamkeit:
“… was nicht beobachtet wird, hat keine soziale Realität. Es bewirkt nichts, es provoziert nichts, nicht einmal Widerspruch.”

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Gewinnst du Zeit durch den Einsatz eines Computers?

Automatisierung, da denke ich an Ford und die Fließbandarbeit, an den Computer, die Waschmaschine … Ich denke an die großen technischen Errungenschaften unserer Kultur.

Durch Technik glauben wir, Zeit zu gewinnen, doch ist es wirklich so?

Die schlechte Nachricht zu Beginn. Keine Technik schenkt dir Zeit. Dein Tag hat 24 Stunden, mit oder ohne Waschmaschine.

Die Frage ist also, welche Technik hat dir in Summe mehr ›freie‹ Zeit gebracht, als deren Einsatz ganzheitlich betrachtet an Zeit verbraucht.

Mit folgenden weiteren Fragen:

  • Welche Folgen hat diese Technik für die in deinem Mensch-Sein?
  • Welche Folgen hat diese Technik für dein näheres Umfeld (Familie, Freunde, Bekannte, …)?
  • Welche Folgen hat diese Technik für andere betroffene Menschen (z. B. wer stellt die Technik her)?
  • Welche Folgen hat diese Technik langfristig für die Umwelt?
  • Welche Folgen hat diese Technik für  die Kosten, die du oder andere zu tragen haben?
  • Wie lange kannst du diese Technik nutzen, bevor sie kaputt geht, erneuert werden muss?
  • Wie kannst du diese Technik entsorgen?
  • Fördert diese Technik ein gemeinsames Leben, deine Lebendigkeit, deine Freude und ein respektvolles Miteinander?
  • Definierst du dich durch den Einsatz dieser Technik oder durch den Besitz dieser Technik?
  • Unterstützt dich die Technik um mit anderen in wirkliche Verbindung zu treten und wirkliche Resonanz zu erfahren?  

Welche dieser technischen Errungenschaften hat dir mehr ›freie‹ Zeit geschenkt?

  • Wie viel Zeit verbringst du vor dem Computer? Wie viel Zeit erspart er dir? Wie viel Brief würdest du täglich lesen, wenn es keine Email gäbe? Was würde das ändern?
  • Wie viel Zeit erspart dir die Waschmaschine? Wie viel Wäsche hättest du, wenn es keine Waschmaschine gäbe – und wie würdest du dann mit deiner Wäsche umgehen?
  • Wie viel würdest du reisen, wenn es kein Auto, Bahn, Flugzeug gäbe? Was würde dies verändern?
  • Welche Beispiele fallen dir ein?

Technische Erfindungen lösen keine Probleme, sie schaffen neues Verhalten und neue Probleme.

Es gibt keine Befreiung durch Automatisierung, jede Maschine ist ein Schritt in eine neue Abhängigkeit.

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Wie kommst du in Resonanz?

Resonanz ist ein Begriff aus der Musik. Er bedeutet laut Duden: Mitschwingen, Mittönen eines Körpers in der Schwingung eines anderen Körpers oder auch Widerhall, Zustimmung.

Resonanz auf dein Sein zu erhalten, bedeutet, dass dein Sein sich in Kontakt mit anderen einschwingt, dass du Widerhall erfährst, dass deine Schwingung aufgenommen wird und du selbst eine Schwingung erfährst. Resonanz schafft Verbindung, Resonanz schafft Zufriedenheit, Resonanz schafft Begegnung. Doch wirkliche Resonanz, also ein Widerhall bei anderen, der sich von bloßen Floskeln und oberflächlichem Blabla unterscheidet gibt es immer weniger. Das hat zwei Gründe:

  • Resonanz braucht Zeit
  • Resonanz braucht Stille

Resonanz braucht Zeit, damit die Schwingung wirken kann, damit sie ankommen und angenommen werden kann. Heute erleben wir eine Zeit, die den Tag in immer kleinere Abschnitte einteilt. Die Zeiträume um Resonanz zu erfahren schwinden. Resonanz braucht Stille, damit die Schwingung nicht überlagert wird und ankommen kann. Was die Kanäle der Wahrnehmung nicht wahrnehmen können  (weil diese belegt sind), kann keine Resonanz hervorrufen. Beides – Zeit und Stille – wird immer seltener. Jede SMS, jeder Anruf reisst uns aus der Zeit, selbst das Erreichbarsein, das Wissen um eine mögliche Unterbrechung zerstückelt die Zeit. Stille ist fast ganz verschwunden. Die Fähigkeit Stille aushalten zu können ebenso.

Statt dessen beschallen wir uns immer und überall. Sei es mit Werbebotschaften von Plakaten, von Bildschirmen, mit Musik aus unserem Smartphone, mit dem Fernsehen. Wir fürchten uns vor der Stille. Stille ruft Fragen hervor.
Also meiden wir die Stille – und manche von uns reden und reden und reden, um der Stille zu entfliehen.

Rilke hat dies so wundervoll ausgedrückt:
»Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.«

Achte auf die Worte, die deinen Mund verlassen. Und achte darauf, ob deine Rede die Welt erblicken soll. Eine Möglichkeit dich selbst zu prüfen, wird durch die Geschichte der ‘Drei Siebe des Sokrates’ vorgestellt:
»Eines Tages kam ein Bekannter zu Sokrates und war voller Aufregung.
“Sokrates, hast du das gehört, was dein Freund getan hat? Das muss ich dir gleich erzählen.“
“Moment mal”, unterbrach ihn Sokrates. “hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?”
“Drei Siebe?” fragte der Andere voller Verwunderung.
“Ja, drei Siebe. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht.
Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?”
“Nein, ich hörte es irgendwo und …”
„Hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht als wahr erwiesen ist -, so doch wenigstens gut?”
Zögernd sagte der andere: “Nein, das nicht, im Gegenteil …”
„Hmm!” unterbrach Sokrates. “So lass uns das dritte Sieb anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich erregt?”
“Notwendig nun gerade nicht …”
“Also”, lächelte Sokrates, “wenn das, was du mir das erzählen willst, weder erwiesenermaßen wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!”«

Die Kurzform der Geschichte könnte so lauten:
»Wenn Dein Wort nicht schöner ist als die Stille, dann schweige. «

Nehme dir Zeit, erlaube dir Stille und erfahre die wichtigste Resonanz im Leben: Die Resonanz mit dir selbst. Öffne dich dadurch für die Resonanz mit anderen.

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Betrügt dich dein Geist?

“Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt; der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach.” 
Das steht in der Bibel (Mt 26, 41) 

Der Kapitalismus seinerseits lebt von einem schwachen Geist. Der funktioniert grob so (nach OM C. Parkin):

“Die Betrügereien dieses Geistes sind 
dreifaltiger Natur.

Erst will er mehr.
Wenn er dann mehr bekommen hat, will er was Besseres,
und wenn er dann etwas Besseres bekommen hat, will er etwas anderes.”

Erkennst du dich wieder? Und da wir so die Wirtschaft antreiben, unsere Häuser/Wohnungen mit lauter Sachen füllen und zu einem Nimmersatt werden, genau deshalb wächst die Wirtschaft. Ok, ein wesentlicher Teil fehlt noch. Die Wirtschaft baut Produkte so, dass sie gezielt nach X Jahren kaputt gehen. Wissenschaftlich nennen wir das geplante Obsoleszenz (siehe auch Wikipedia). Das wir diese Produkte jedoch kaufen, die geplant kaputt gehen, dass wiederum ist unsere Verantwortung.

 Das ganze hat drei wesentliche Nachteile für uns:

  1. Die Welt ist endlich, es gibt nicht unendlich viele Rohstoffe für dieses Vorgehen.
  2. Es produziert sehr viel Müll. Sowohl auf Mülldeponien, als auch im Meer, in der Luft, in der Ozonschicht (wenn sie noch da ist …).
  3. Es macht dich nicht glücklich, du bist ein Hamster im Hamsterrad. Je mehr du hast, desto mehr arbeitest du, um noch mehr zu haben.

Wenn wir uns ein System anschauen, dann schauen wir uns immer an wer davon profitiert. Wenn keiner profitiert, dann gäbe es dieses System nicht.

Es profitieren vor allem:

  • die Banken, diese leihen Geld, kassieren Zinsen
  • die Reichen, diese bekommen einen Großteil der Zinsen
  • die Produzenten, diese produzieren zu Lasten der Gesellschaft (weil nicht alle wirklichen Kosten erfasst werden)
  • die herrschende politische Klasse, diese erhalten ihre Macht, wenn die Menschen im Hamsterrad sind

Du hast für dich die Wahl, ob du jeden Tag, jede Woche, jeden Monat immer mehr haben willst. Ob du dich mit anderen vergleichst und daraus ein Defizit für dich erkennst.

Du hast die Wahl dies zu beenden und dich fragen, was wirklich wichtig für dich ist.

Was ist im Leben wirklich wichtig für dich?

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Warum du keine Stärken und Schwächen hast

Die schlechte Nachricht vorweg:

Du hast keine Stärken, du hast keine Schwächen!

Im Allgemeinen bezeichnen wir Eigenschaften, Tätigkeiten oder Ergebnisse von anderen oder uns selbst als Stärke oder als Schwäche. Wir hängen uns selbst ein Etikett um. Je nach vorherrschender Kultur, Situation und Person, kann eine Handlung als Stärke oder als Schwäche bezeichnet werden. Meist spielt dabei der Vergleich mit anderen eine entscheidende Rolle.

Fassen wir kurz zusammen, ob du das Etikett Stärke oder Schwäche dir selbst umhängst – oder von anderen erhältst, hängt von folgenden Dingen ab:

  • in welcher Kultur lebst du
  • in welcher Situation wirst du erlebt
  • mit welchen Personen umgibst du dich
  • wie sind diese Personen in Relation zu deiner Eigenschaft, Fähigkeit, Tätigkeit

Die Selbstzuschreibung erhalten wir vielfach durch unser Umfeld. Es fängt im Kindesalter an („Du kannst aber gut …“ oder „Deine Schwester kann es besser als du …“). Fremdwahrnehmungen, die wir als Selbstwahrheit aufnehmen.

In Diktaturen werden Attentäter als Schwächlinge bezeichnet, als Menschen ohne Charakter, als Verräter. Gelingt ihr Attentat und der Diktator ist tot, dann sind sie stark, sie sind Helden. Dabei ist die Handlung in beiden Fällen identisch, nur die Bewerter der Handlung orientieren sich an den gesellschaftlichen Umständen.

Günstig einzukaufen, d. h. zu schauen, wo bekomme ich für 3 Euro am meisten Fleischgewicht, ist in unserer Gesellschaft eine Stärke, derjenige gilt als „schlau“. Auch wenn Geiz ist geil nicht mehr so offen postuliert wird. Kauft jemand die gleiche Menge Fleisch für 6 Euro ein, so ist er schwach, er ist „dumm“ so viel Geld auszugeben. Stellt sich später raus, dass das Fleisch für 3 Euro voller Medikamente war, die Tiere unter schrecklichen Umständen lebten, und das Fleisch damit von niedrigster Qualität war, so dass die Menschen langfristig davon krank werden, so dreht sich die Bewertung um. Der Dumme ist der Starke, der Schlaue ist der Schwache.

Umso wichtiger sind die Werte, deine Werte. Also die Dinge, die dir als Person wichtig sind, unabhängig von deiner aktuellen Lebenssituation. der Kultur, der Situation, deinem Umfeld. Wenn du diese kennst, dann sind Fremdzuschreibungen wertlos für dich. Und Selbstbewertungen werden unwichtiger, weil der Wert deines Selbst nicht mehr von Vergleichen mit anderen abhängt.

  • Statt Dinge zu kaufen, weil alle es kaufen, fragst du dich, ob du es wirklich brauchst, wo es wie produziert wurde.
  • Statt dich zu fragen, ob Fußball spielen eine Stärke für dich ist, fragst du dich, ob du gerne Fußball spielst.
  • Statt auf Oberflächlichkeiten zu schauen, blickst du in die Herzen der Menschen. Worte verlieren an Wert, Taten gewinnen an Bedeutung.
  • Statt die Ereignisse, Dinge, Menschen zu bewerten, nimmst du sie wahr, gewinnst ein Verständnis dafür.
  • Du gewinnst ein Vertrauen in dich selbst, dein Selbstvertrauen. Du erkennst dich, deine Selbsterkenntnis. Du weißt, welche Werte wichtig für dich sind, dein Selbstwert. Du wirst dir der Verantwortung für dich bewusst, deine Selbstverantwortung. Du erlangst Achtung vor dir selbst, deine Selbstachtung.
  • Du spürst die Stille in dir.

Worte von Eckhart Tolle:
»Wenn Du die Berührung mit der inneren Stille verlierst, 
verlierst Du den Kontakt mit Dir selbst.

Wenn Du den Kontakt mit Dir selbst verlierst, 
verlierst Du Dich in der Welt.

Das innerste Selbstgefühl, das Gefühl dessen, 
der Du bist, ist untrennbar mit der Stille verbunden.

Das ist das ICH BIN, das tiefer ist als Namen und Formen.«

In der inneren Stille erkennst du nun, dass es eine Zuweisung von außen ist. Diese Zuweisung von Stärken und Schwächen ist von der Fußball-Kultur des Vereins (Techniker vs. Kämpfer/Beißer) abhängig, von der aktuellen Tabellensituation (Abstiegskampf oder Mittelfeld), von deinen Mitspielern (jünger oder älter).

Du erkennst diese Zuweisung, lächelst, spielst Fußball und bist du selbst.

Mit dieser Ansicht können wir die Zuweisungen von Dritten besser verstehen. Wenn andere uns Stärken oder Schwächen zuweisen, so hat dies damit zu tun, was sie von uns wollen, wie wir ihnen nützlich sein können. Ein Beispiel:

Ein Auszug aus einem Interview mit einem Fußball-Trainer, Horst Hrubesch (Interview in der FAZ, 14.10.2013):
»Ich mache tatsächlich nichts anderes, als ihre Stärken zu nutzen. Ich nehme das, was sie mir bieten, und versuche, es in eine Form zu packen.«

Er macht die Spieler für seine Ziele nutzbar, weist in diesem Umfeld Stärken zu. Ein anderer Trainer würde andere Stärken und Schwächen erkennen, bei den gleichen Spielern.

Deshalb ist es wichtig, dass du dich selbst erkennst, um unabhängig von den Einschätzungen von anderen Menschen zu werden, für die du nützlich sein sollst. Wenn du dich selbst erkennst, kann es passieren, dass du gar nicht in diesem System spielen willst und dir ein neues Spielfeld suchst.

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Bist du auf der Suche nach deinem Glück?

Falls ja, hier ein kurzer Auszug von einem, der sein Glück gefunden hat (Marcel Prous, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Band 1):
»Gleich darauf führte ich, ohne mir etwas dabei zu denken, doch bedrückt über den trüben Tag und die Aussicht auf ein trauriges Morgen, einen Löffel Tee mit einem aufgeweichten kleinen Stück Madeleine darin an die Lippen. In der Sekunde nun, da dieser mit den Gebäckkrümeln gemischte Schluck Tee meinen Gaumen berührte, zuckte ich zusammen und war wie gebannt durch etwas Ungewöhnliches, das sich in mir vollzog. Ein unerhörtes Glücksgefühl, das ganz für sich allein bestand und dessen Grund mir unbekannt blieb, hatte mich durchströmt. Es hatte mir mit einem Schlag, wie die Liebe, die Wechselfälle des Lebens gleichgültig werden lassen, seine Katastrophen ungefährlich, seine Kürze imaginär, und es erfüllte mich mit einer köstlichen Essenz; oder vielmehr: diese Essenz war nicht in mir, ich war sie selbst. Ich hatte aufgehört mich mittelmäßig, zufallbedingt, sterblich zu fühlen. Woher strömte diese mächtige Freude mir zu?«

Es kann sein, dass Tee und ein Madeleine bei dir nicht hilft oder du gerade kein Madeleine hast, dann hat Sonja Lyubomirsky (Glücklich sein) zwölf Glücksaktivitäten:

  1. Entwickeln Sie Ihre Fähigkeit zur Dankbarkeit
  2. Seien Sie Optimistisch
  3. Vermeiden Sie Grübeleien und soziale Vergleiche
  4. Seien sie hilfsbereit
  5. Pflegen Sie Ihre sozialen Beziehungen
  6. Entwickeln Sie Bewältigungsstrategien
  7. Lernen Sie zu vergeben
  8. Schaffen Sie Flow-Erfahrungen
  9. Genießen Sie die Freuden des Lebens
  10. Verwirklichen Sie Ihre Lebensträume
  11. Beschäftigen Sie sich mit Religion und Spiritualität
  12. Sorgen Sie für Ihren Körper: Meditation, Sport, Vorwegnahme des Glücks

In ihrem Buch gibt sie Hinweis darauf, welche von diesen Glücksaktivitäten für dich gut sind (ein kleiner Test inklusive).

Die staatliche Unterstützung zum Thema Glück wird in diesem Beitrag beschrieben, das Ziel ist ein Ministerium für Glück und Wohlbefinden

Letzen Endes kannst du auch den Weg der kleinen Schritte zum Glück gehen: 
»Das Glück unseres Lebens setzt sich aus winzigen Kleinigkeiten zusammen -
den kleinen, bald vergessenen Wohltaten eines Kusses oder Lächelns,
eines freundlichen Blicks,
eines von Herzen kommenden Kompliments -,
zahllosen, unendlich kleinen Dosen angenehmer und belebender Freuden.«
Samuel Taylor Colerdige (1772 – 1834)

Wenn du das Glück im Wohlstand suchst, hier ein paar Worte vom Dalai Lama:
»Es gibt zwei Wege, die Ursachen für Glück zu schaffen. Der erste ist äußerlich. Durch eine bessere Unterkunft, bessere Kleidung und bessere Freunde können wir ein gewisses Maß an Glück und Zufriedenheit finden. Der zweite Weg besteht in geistiger Entwicklung, die inneres Glück hervorbringt.

Diese beiden Vorgehensweisen sind jedoch nicht gleichermaßen zweckdienlich. 

Äußeres Glück kann nicht lange ohne sein Gegenstück andauern. Wenn es in unserer Ausrichtung an etwas mangelt – wenn etwas in unserem Herzen fehlt -, dann können wir auch trotz luxuriösester Umgebung nicht wirklich glücklich sein. Wenn wir jedoch geistigen Frieden haben, dann können wir Glück auch unter den schwierigsten Umständen finden.«

Eines haben diese Ansätze gemeinsam, vom Warten auf das Glück ist noch keiner glücklicher geworden. Das Glück wohnt in der aktiven Gestaltung des Augenblicks.

Die aktive Gestaltung des Augenblicks kann viele Formen annehmen, Stille ist eine davon. Innere Stille.

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Warum ist Konsum, Materielles so wichtig für dich?

Hier ein kurzer Zeichen-Film zum Einstieg.

Warum den Produzenten dein Konsum wichtig ist, schrieb 1955 der amerikanische Verkaufsspezialist Victor Lebow: „Unsere enorme Produktivität verlangt, dass wir den Kauf und den Gebrauch neuer Dinge zu Ritualen machen und unsere Egos durch Konsum befriedigen. Immer schneller müssen wir Dinge konsumieren, ersetzten und wegwerfen. Status und Individualität drücken sich heute durch das aus, was jemand trägt, fährt, isst, durch sein Haus, sein Auto und welche Hobbys er sich leistet.“  

Doch das Angebot an Konsummöglichkeiten ist eine Seite der Medaille – auf der anderen Seite stehen Menschen, die ihre Rolle als Mensch auf die Rolle als Konsument reduziert haben.

Der kanadische Ökonom William Rees: „Da diese Industrie vor allem das Unbewusste anspricht, die Hoffnungen und Ängste, ist den meisten Menschen nicht einmal klar, dass wir in einer Gesellschaft leben, die mehr manipuliert worden ist als irgendeine andere je zuvor. Wir haben uns auf das Dasein als Konsument reduziert.“

Das Dasein als Konsument. Warum tun Menschen dies?

Gehen wir in das Jahr 1941, Erich Fromm schrieb „Furcht vor der Freiheit“ (S. 183). Er schreibt:
»Trotzdem ist das alles doch ein Hinweis darauf, dass man eine vage Vorstellung von der Wahrheit hat – nämlich dass der heutige Mensch nur das will, was er nach Ansicht der anderen wollen sollte. Um das einzusehen, muss man sich darüber klarwerden, dass es nicht – wie die meisten meinen – verhältnismäßig einfach ist zu wissen, was man wirklich will, sondern dass es sich dabei um eines der schwierigsten Probleme handelt, die der Mensch zu lösen hat. Es ist eine Aufgabe, der wir krampfhaft dadurch aus dem Wege zu gehen suchen, dass wir fertig angebotene Ziele akzeptieren, als ob es unsere eigenen wären. Der heutige Mensch ist bereit, große Risiken auf sich zu nehmen beim Versuch, die Ziele zu erreichen, die angeblich “seine” Ziele sind, aber er hat eine tiefe Angst davor, das Risiko und die Verantwortung auf sich zu nehmen, sich seine eigenen Ziele zu setzen. Eine intensive Aktivität wird oft irrtümlich als Beweis dafür angesehen, dass man sein Handeln selbst bestimmt, wenn wir auch wissen, dass es vielleicht nicht spontaner ist als das Verhalten eines Schauspielers oder eines Hypnotisierten. Wenn die Rollen verteilt sind, kann jeder Schauspieler mit Elan seine Rolle spielen und dabei sogar in bezug auf den Text und Einzelheiten seines Spiels etwas improvisieren. Aber er spielt nur die Rolle, die ihm übertragen wurde.«

Hier kommt nun der Konsum in Spiel (S. 185-186):
»Bisher haben wir uns in diesem Buch mit dem einen Aspekt der Freiheit befasst: mit der Ohnmacht und Unsicherheit des isolierten einzelnen in der modernen Gesellschaft, der sich von allen Bindungen befreit hat, die seinem Leben einst Sinn und Sicherheit gaben. Wir sahen, dass der Mensch diese Isolierung nicht ertragen kann; er ist als isoliertes Wesen der Außenwelt gegenüber völlig hilflos und daher voller Angst vor ihr. Durch diese Isolierung ist die Einheit der Welt für ihn verloren gegangen, und er hat jeden Orientierungspunkt verloren. Deshalb überfallen ihn Zweifel an sich selbst, am Sinn des Lebens, und schließlich gibt es für ihn keinerleit Grundsätze mehr, nach denen er sich in seinem Handeln richten könnte. Hilflosigkeit und Zweifel lähmen sein Leben, und um weiterleben zu können, versucht er der Freiheit – der negativen Freiheit – zu entfliehen. So gerät er in eine neue Knechtschaft hinein. Diese unterscheidet sich von den primären Bindungen, von denen er sich noch nicht völlig gelöst hat, obwohl er sich in die Abhängigkeit von Autoritäten oder seiner gesellschaftlichen Gruppe begeben hat. Die Flucht gibt ihm auch nicht seine verlorene Sicherheit zurück, sondern sie hilft ihm nur, sein Selbst als eine sparate Größe zu vergessen. Er erlangt eine neue, aber brüchige Sicherheit, die er damit bezahlt, dass er ihr die Integrität seines individuellen Selbst zum Opfer bringt. Er entscheidet sich für den Verlust seines Selbst, weil er das Alleinsein nicht ertragen kann. So führt die Freiheit – als “Freiheit von” nur in eine neue Knechtschaft hinein.«

Erich Fromm (S. 188-189) über einen Weg aus der Abhängigkeit:
»Weshalb ist spontanes Tätigsein eine Lösung für das Problem der Freiheit? Wir sagten, dass die negative Freiheit allein den Menschen zu einem isolierten Wesen macht, dessen Beziehung zur Welt distanziert und voller Misstrauen ist, und dessen Selbst schwach und ständig bedroht ist. Spontanes Tätigsein ist der einzige Weg, auf dem man die Angst vor dem Alleinsein überwinden kann, ohne die Integrität seines Selbst zu opfern, denn in der spontanen Verwirklichung des Selbst vereinigt sich der Mensch aufs neue mit der Welt – mit dem Menschen, der Natur und sich selbst. Die wichtigste Komponente einer solchen Spontanietät ist die Liebe – aber nicht die Liebe, bei der sich das Selbst in einem anderen Menschen auflöst, und auch nicht die Liebe, die nur nach dem Besitz des anderen strebt, sonder die Liebe als spontane Bejahung der anderen, als Vereinigung eines Individuums mit anderen auf der Basis der Erhaltung des individuellen Selbst. Die dynamische Eigenschaft der Liebe liegt eben in dieser Polarität, die darin besteht, dass sie aus dem Bedürfnis entspringt, die Absonderung zu überwinden und zum Einssein zu gelangen und trotzdem die eigene Individualität nicht zu verlieren. Die andere Kompontente ist die Arbeit – aber nicht die Arbeit als zwanghafte Aktivität, die nur dazu dient dem Alleisnein zu entfliehen, nicht die Arbeit, die einerseits die geschaffenen Produkte vergötzt oder sich zum Sklaven dieser Produkte macht, sondern die Arbeit als Schöpfung, bei der der Mensch im Akt der Schöpfung eins wird mit der Natur. Was für die Liebe und die Arbeit gilt, gilt für jedes spontane Tätigsein, ob es sich nun um sinnliche Freuden oder um die Teilnahme am politischen Gemeinschaftsleben handelt. Sie bejahrt die Individualität des Selbst und eint es zugleich mit den anderen Menschen und der Natur. Die der Freiheit innewohnende grundsätzliche Dichotomie – die Geburt der Individualität und der Schmerz des Alleinseins – wird auf höherer Ebene durch das spontane Tätigsein des Menschen aufgelöst.«

Konsum, die Abhängigkeit von Materiellem – oder zugespitzter formuliert, die Reduzierung des Menschen als Konsument – als Folge einer individualisierten Gesellschaft. Konsum als Orientierungsfunktion, zur Reduzierung der Angst des Menschen. Konsum als Ersatzhandlung für fehlende Selbstliebe. 

Und hier sind wir wieder bei den Produzenten der Konsumartikel. Deren Werbung suggiert uns jeden Tag über viele Kanäle, und wiederholt dies millionenfach, dass wir ohne Produkte nicht gut genug sind. Das wir nicht gut genug aussehen, dass unser Haar nicht schön ist, wir zu alte Kleidung tragen, wir nicht sicher genug sind, …

Werbung macht unzufrieden – unzufriedene Menschen sind gute Konsumenten.

Werbung sagt uns, du kannst dich, so wie du bist, nicht lieben, du brauchst das Produkt, die Dienstleistung, damit du es Wert bist dich selbst zu lieben.

Was für ein Quatsch. Es ist ein Segen für jeden Menschen, dass die Liebe zu selbst von Nichts abhängig ist. Jeder ist zur Selbstliebe fähig, unabhängig von seinem Konsum, seinem materiellen Dingen.

Vielleicht gilt sogar, dass die Selbstliebe Menschen leichter fällt, wenn sie nicht so viel konsumieren, nicht so viel haben.

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Kennst du diese Widerstände?

Gewohnheiten sind etwas wundervolles. Wenn zum Frühstück der Kaffee oder der Tee schon zubereitet ist und herrlich duftet, so ist dies eine tolle Gewohnheit. Oder wenn die Bahn pünktlich kommt, so gewöhnen wir uns sehr schnell daran. Gewohnheiten erfüllen deine Bedürfnisse.

Gewohnheiten orientieren sich an der Vergangenheit. Wir haben unsere Unsicherheit im Leben durch Gewohnheiten reduziert. Gewohnheiten geben dir Sicherheit, Orientierung und Vorhersehbarkeit.

Genau diese Eigenschaften machen Veränderungen schwierig. Diese Schwierigkeit tritt in Form von Widerständen auf. Wie oft packen wir Veränderungen nicht an, weil die Widerstände davor zu groß sind?

Louise Hay (Hay, Louise L. Gesundheit Für Körper & Seele. Ullstein Buchverlag, 1999, S. 100ff) hat dies wundervoll dargestellt. Sie beginnt mit nonverbalen Reaktionen, die Anzeichen dafür sind, dass ein Widerstand da ist. Die Widerstände selbst rechtfertigen wir dann mit unseren Vermutungen und Überzeugungen. Die nächste Ausweichmöglichkeit ist dann die Abgabe der Verantwortung an andere Menschen, an die Umstände. Hilft dies auch nicht, so kommen unsere Vorurteile ins Spiel, auch Vorurteile dir selbst gegenüber.

In der nächsten Stufe spielst du die Karte mit der Verzögerungstaktik aus. Die oft dazu führt, dass nach gewisser Zeit die Notwendigkeit einer Veränderung geleugnet wird. Alles begleitet von bewussten, unbewussten, ausgesprochenen, unausgesprochenen Ängsten.

Nonverbale Reaktionen

  • zu wechselst das Gesprächsthema
  • du verlässt das Zimmer
  • du kommst zu spät zum Termin
  • du wirst krank
  • du hast wichtigeres zu tun
  • du verweigerst die Aufmerksamkeit
  • du beginnst eine neue Beziehung, wechselst den Job
  • du produzierst eine Panne

 

Vermutungen und Überzeugungen

  • es würde mir nicht helfen
  • mein Partner würde es nicht verstehen
  • bei mir ist alles ganz anders
  • niemand sonst tut es
  • es gehört sich einfach nicht, es ist nicht richtig
  • niemand aus meiner Familie hat dies je getan
  • es ist viel zu teuer
  • es wird zu lange dauern
  • so ein Mensch bin ich nicht

 

Abgabe der Verantwortung

  • das ist nicht Gottes Wille
  • das Umfeld passt dazu nicht
  • die anderen werden es nicht zulassen
  • mir fehlt noch der richtige Kurs, Seminar, Buch
  • ich habe keine Zeit dafür
  • die anderen sind noch nicht so weit
  • ich möchte niemanden verletzten

 

Vorurteile uns selbst gegenüber

  • ich bin zu alt, jung
  • ich bin zu dick, dinn
  • ich bin zu stark, schwach
  • ich bin zu klug, dumm
  • ich bin zu arm, reich

 

Verzögerungstaktik

  • das mache ich später
  • meine Stimmung ist gerade nicht danach
  • du hast wichtigeres zu tun
  • es kommt auf meine To-Do-Liste
  • dafür ist es bereits zu spät
  • du musst dich erst noch entscheiden, was wichtig ist

 

Leugnung

  • letztes Mal ging es auch gut
  • bisher bin ich gut damit gefahren
  • es löst sich von alleine

 

Ängste

  • ich bin noch nicht bereit
  • ich könnte scheitern
  • ich könnte alles verlieren
  • andere lehnen mich dann ab
  • was denken wohl die Nachbarn
  • ich müsste mich verändern
  • niemand soll erfahren, dass ich ein Problem habe
  • ich will und kann meine Gefühle nicht zeigen
  • schaffe ich das wirklich, was, wenn ich es nicht schaffe
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Denkst du schon – oder wiederholst du bereits Gedachtes?

»Wie man über ein Wesen oder eine Sache denkt, so fühlt man über kurz oder lang auch. Und wie man über es fühlt, so handelt man schließlich auch. Das gilt im positiven, wie im negativen.«
Verfasser unbekannt

Um ein Handeln zu erzeugen, ist der erste Schritt die Veränderung der Gedanken. Da fällt mir “Achte auf Deine Gedanken …” ein, wunderschöne Zeilen aus dem Talmud.

»Achte auf deine Gedanken,
denn sie werden deine Worte.
Achte auf deine Worte,
denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen,
denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten,
denn sie werden deine Charakter.
Achte auf deinen Charakter,
denn er wird dein Schicksal!«

Unser mechanisches Weltbild misst den Gedanken keinen großen Einfluss bei. Gedanken dienen der Beschreibung der Realität und zur Formulierung der mechanischen Regeln. Denken im Sinne der Weltsicht von Newton, der Beobachter, der die objektive Welt wahr nimmt, die nach klaren Gesetzen funktioniert.

Das deine Gedanken die Welt prägen, die – wie wir seit Einstein wissen – nicht „objektiv“ ist, sondern sozial polyvalent konstruiert wird, dies kommt viel zu selten in unsere Gedanken. Wir lernen Logik, Ableitungen, Gesetze, wie Maschinen lernen wir Texte auswendig. Systematisch lernen wir bereits ‚Gedachtes’ wieder zu kauen, wieder und wieder.

Was wir nicht lernen, ist unsere Gedanken wirklich zu gebrauchen – wir lernen nicht zu denken.

Denken als Prozess des Schaffens von Realitäten, denken als Prozess der eigenständigen Art und Weise die Welt zu konstruieren, denken als Prozess bestehendes in Frage zu stellen, denken als Prozess die Widersprüche, die Vielfalt in der Welt zu erkennen – das brauchen wir. Das ist ein Denken, welches die Augen öffnet für die vielen Beeinflussungen unserer Gedanken.

Doch die Menschen, die unsere Schulpläne machen, setzen weiterhin auf der Wiederholung von bereits Gedachtem. Denken als Schulfach kommt kaum vor. Welches Schulfach bräuchten wir, damit die Menschen wieder selbst denken lernen?

Hier eine kurze Liste möglicher Schulfächer:

  • Wie verwirkliche ich meine Träume?
  • Wie entwickle ich Selbstachtung, Selbstverantwortung und Selbstliebe?
  • Was ist mir wirklich wichtig im Leben?
  • Wie kann ich das Glück in meinem Leben fördern?
  • Welche Bedeutung hat Geld in meinem Leben?
  • Wie gehe ich mit der Unsicherheit im Leben um, wie mit Angst?

Denkst du schon – oder wiederholst du bereits Gedachtes?

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